Data-Matrix-Code: Mehr Daten pro Quadratmillimeter
Ein Data-Matrix-Code trägt GTIN, Charge und MHD auf kleinstem Raum. Wie du ihn im Lager richtig einsetzt, scannst und typische Fehler vermeidest – praxisnah erklärt.

Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Data-Matrix-Code – und warum reicht der Strichcode nicht mehr?
- Was steckt in einem GS1 DataMatrix?
- Warum der Umstieg viele Händler kalt erwischt
- So liest du Data-Matrix-Codes zuverlässig im Lager
- FEFO, FIFO und der Data-Matrix-Code – was gehört zusammen?
- Charge, MHD, Seriennummer – was ist Pflicht, was ist Kür?
- Typische Fehler beim Drucken und Scannen
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Wann sich der Umstieg wirklich lohnt
- Häufige Fragen zum Data-Matrix-Code
Der Data-Matrix-Code ist ein zweidimensionaler Matrixcode, der Daten sowohl horizontal als auch vertikal speichert. Er wird vor allem als GS1 DataMatrix für GTIN, Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum auf Produkten und Logistiketiketten genutzt.
- Der Data-Matrix-Code speichert Daten in zwei Richtungen – dadurch passen GTIN, Charge und MHD auf kleinste Flächen.
- Im Lager brauchst du 2D-fähige Scanner; 1D-Lasergeräte lesen den Code nicht.
- Mit GS1-Datenbezeichnern (AIs) liefert ein Scan GTIN, Charge und Datum als getrennte Felder – eine gute Grundlage für FEFO und Rückverfolgbarkeit.
Es ist Montag, kurz nach acht. Du stehst im Wareneingang, vor dir drei Paletten mit Kosmetik. Auf jeder Tube klebt ein winziges Quadrat, das aussieht wie ein unruhiger Schachbrett-Ausschnitt. Du hältst deinen alten Laserscanner drauf – nichts. Kein Piep, keine Zeile im System. Der Lieferant hat statt Strichcode einen Data-Matrix-Code gedruckt, und dein Equipment versteht ihn nicht. Genau hier fängt der Ärger an, den viele Händler kennen.
Die gute Nachricht: Das Problem liegt selten am Code. Meistens liegt es an der Hardware, an falschen Druckeinstellungen oder daran, dass im Prozess niemand definiert hat, was mit den zusätzlichen Daten passieren soll. Der Data-Matrix-Code ist kein neumodischer Schnickschnack, sondern seit Jahren Standard in vielen Branchen – von Pharma über Lebensmittel bis Elektronik. Wer ihn beherrscht, gewinnt Tempo und Sicherheit im Lager. Wer ihn ignoriert, scannt jeden Artikel von Hand nach. Lass uns das Schritt für Schritt aufdröseln.
Was ist ein Data-Matrix-Code – und warum reicht der Strichcode nicht mehr?
Ein klassischer Barcode speichert Information nur in einer Richtung: schwarze Striche auf weißem Grund, gelesen von links nach rechts. Der Data-Matrix-Code arbeitet zweidimensional. Er besteht aus einem Raster kleiner Quadrate, das in die Breite und in die Höhe Daten trägt. Das Ergebnis: Auf derselben Fläche passt ein Vielfaches an Zeichen. Statt nur einer Artikelnummer kann derselbe Code zusätzlich Charge, Mindesthaltbarkeitsdatum, Seriennummer oder Menge enthalten.
Erkennbar ist der Data-Matrix-Code an zwei durchgehenden Randlinien (meist links und unten) und zwei gestrichelten Randlinien (rechts und oben). Dieses L-förmige Suchmuster (Finder Pattern) und die gestrichelte Taktspur helfen dem Scanner, die Orientierung zu erkennen – egal, wie du das Etikett hältst. Das ist im Lager ein großer Vorteil: Du musst nicht mehr akribisch ausrichten, du kannst aus mehreren Winkeln scannen.
Der GS1 DataMatrix ist die standardisierte Variante für Handel und Logistik. Er folgt den GS1-Spezifikationen und enthält sogenannte Application Identifiers (AIs). Ein AI ist ein kurzes Präfix, das sagt, welche Information folgt. So wird aus einem Datenblock eine strukturierte Nachricht, die jedes kompatible System auseinandernehmen kann.
Was steckt in einem GS1 DataMatrix?
Die wichtigsten Application Identifiers, die dir im Lager begegnen:
| AI | Bedeutung | Beispielwert |
|---|---|---|
| (01) | GTIN – die globale Artikelnummer | 04012345678901 |
| (10) | Charge / Losnummer | LOT-2024-A17 |
| (15) | Mindesthaltbarkeitsdatum (JJMMTT) | 260331 |
| (17) | Verfallsdatum (JJMMTT) | 260630 |
| (21) | Seriennummer | SN-004821 |
| (30) | Variable Menge | 12 |
| (240) | Zusätzliche Produkt-ID | ABC-77 |
Die Klammern sind nur zur Lesbarkeit – im Code selbst stehen die Ziffern direkt hintereinander. Felder mit fester Länge wie GTIN oder Datum erkennt die Software am AI selbst. Felder mit variabler Länge wie Charge oder Seriennummer werden mit einem Trennzeichen (FNC1/GS) abgeschlossen. Deshalb ist es wichtig, dass deine Software die AIs auch interpretieren kann. Sonst hast du zwar einen langen Datenstring, aber keine sauberen Felder für Charge und MHD.
Ein Data-Matrix-Code ohne AI-Struktur ist nur ein Datenblock. Erst die GS1-AIs machen daraus verwertbare Felder für dein WMS.
Warum der Umstieg viele Händler kalt erwischt
Viele Lieferanten stellen ihre Etiketten um, ohne es groß anzukündigen. Plötzlich kommt Ware mit Data-Matrix-Code, und im Lager steht man mit 1D-Scannern da. Typische Stolpersteine, die wir bei Händlern oft sehen:
- Hardware passt nicht. Ein reiner 1D-Laserscanner liest nur Striche. Für Data-Matrix brauchst du einen 2D-Imager – also eine Kamera, die das Raster auswertet.
- Druckqualität stimmt nicht. Zu wenig Kontrast, zu kleine Module, verrutschte Etiketten. Der Code sieht okay aus, ist aber nicht lesbar.
- Software ignoriert die Felder. Der Scan kommt an, aber Charge und MHD landen nicht in den richtigen Feldern. Dann bringt der schönste Code nichts.
- Prozesse fehlen. Niemand hat definiert, ob nach MHD sortiert wird, wie Chargen dokumentiert werden und was bei Rückrufen passiert.
Die Ursache ist fast immer dieselbe: Der Data-Matrix-Code wird als reines Scan-Thema behandelt. Dabei ist er ein Prozessthema. Erst wenn Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung und Versand dieselben Daten nutzen, entfaltet er seinen Nutzen.
So liest du Data-Matrix-Codes zuverlässig im Lager
Für den täglichen Einsatz brauchst du drei Dinge, die zusammenpassen müssen: Scanner, Software und Etiketten.
Ein ehrlicher Tipp: Teste neue Scanner immer mit echten Etiketten aus deinem Lager, nicht mit dem Beipackzettel des Herstellers. Wir haben schon Geräte gesehen, die auf Hochglanzpapier perfekt funktionierten und auf matten Versandetiketten scheiterten. Der Unterschied liegt oft in der Beleuchtung und im Kontrast.
FEFO, FIFO und der Data-Matrix-Code – was gehört zusammen?
Hier wird es wichtig, zwei Dinge auseinanderzuhalten, die gern vermischt werden.
Physische Lagerprinzipien: FIFO (First In, First Out) heißt, älteste Ware zuerst auslagern. FEFO (First Expired, First Out) heißt, Ware mit dem frühesten Haltbarkeits- oder Verfallsdatum zuerst. FEFO braucht dieses Datum – und genau das kann der GS1 DataMatrix mitliefern, etwa mit AI (15) für das MHD oder AI (17) für das Verfallsdatum. Ohne dieses Datum kannst du FEFO im Lager kaum sauber umsetzen.
Bewertungsverfahren in der Buchhaltung: FIFO und LIFO sind hier etwas völlig anderes. Handelsrechtlich sind beide zulässig (§ 256 HGB, gesetze-im-internet.de). Steuerlich ist nur LIFO zulässig (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG, gesetze-im-internet.de). Das hat nichts mit der Reihenfolge im Regal zu tun, sondern mit der Bewertung des Vorratsvermögens.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Wenn du unsicher bist, welche Methode für dich passt, kläre das mit deiner Steuerberatung.
„Der Data-Matrix-Code ist kein Scanner-Thema, sondern ein Prozessthema. Erst wenn Wareneingang, Lager und Versand dieselben Daten lesen, wird er wertvoll.“
Team beeShip
Charge, MHD, Seriennummer – was ist Pflicht, was ist Kür?
Nicht jedes Produkt braucht alle Daten. Die Anforderungen hängen von Branche und Produkt ab.
- Charge: In vielen Bereichen wie Lebensmitteln, Kosmetik oder Pharma ist die Chargenrückverfolgbarkeit vorgeschrieben oder zumindest erwartet. Details findest du in unserem Beitrag zur Chargennummer.
- MHD: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht dasselbe wie das Verbrauchsdatum. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums darf Ware nicht mehr in Verkehr gebracht werden (VO (EU) 1169/2011 Art. 24, eur-lex.europa.eu). Nach Ablauf des MHD darf Ware grundsätzlich weiter verkauft werden; der Verkäufer ist dann aber für die einwandfreie Beschaffenheit verantwortlich.
- Seriennummer: Nur in bestimmten Bereichen Pflicht, etwa bei Medizinprodukten im Rahmen der UDI. Für die meisten Onlinehändler ist sie freiwillig.
Welche Kennzeichnung für deine Produkte konkret Pflicht ist, hängt von Branche und Produktgruppe ab. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Typische Fehler beim Drucken und Scannen
Selbst mit guter Hardware läuft es schief, wenn die Etiketten nicht stimmen. Die häufigsten Fehler:
- Zu kleine Module. Je kleiner die einzelnen Quadrate, desto schwerer lesbar. Achte auf ausreichende Modulgröße für deine Scan-Entfernung.
- Zu wenig Ruhezone. Der Data-Matrix-Code braucht einen Rand ohne Druck. Ohne Ruhezone findet der Scanner die Ränder nicht.
- Falsche Datenstruktur. Fehlende oder falsch platzierte AIs führen zu unlesbaren Feldern in der Software.
- Kontrast zu gering. Grau auf Weiß oder Schwarz auf Dunkelgrau funktioniert nicht zuverlässig.
- Etiketten überklebt. Wenn der Code teilweise verdeckt ist, ist er unlesbar. Lieber neu drucken.
Druck ein Testetikett, scanne es mit deinem Gerät und prüfe die Felder in der Software. Erst wenn GTIN, Charge und MHD sauber ankommen, rollst du aus.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
beeShip ist eine Cloud-Lagerverwaltung für Onlinehändler und Fulfiller, in der Kommissionierung und Packen scannerbasiert laufen. Im beeShip-Handbuch findest du eine Übersicht zu Scanner-Geräten, die Kunden im Lager einsetzen – darunter 2D-fähige Bluetooth-Scanner, die sich mit einem Android-Gerät und der beeShip-App nutzen lassen, sowie Android-PDAs. Wichtig: Prüfe vor dem Kauf, ob dein Wunschgerät Data-Matrix-Codes lesen kann. Nicht jedes Gerät in der Übersicht ist automatisch 2D-fähig. Wenn du Etiketten selbst drucken willst, hilft dir der Gratis-Barcode-Generator beim Erstellen erster Testcodes – er kann unter anderem DataMatrix und GS1-128. Wenn du MHD und Charge bei der Einlagerung erfasst, zeigt dir die MHD-Verwaltung in beeShip abgelaufene und bald ablaufende Bestände samt Lagerort und Chargennummer.
Wann sich der Umstieg wirklich lohnt
Nicht jeder Händler braucht sofort Data-Matrix-Codes. Aber es gibt klare Situationen, in denen er dir das Leben leichter macht:
- Du verkaufst Produkte mit MHD oder Charge und musst FEFO umsetzen.
- Deine Lieferanten liefern bereits GS1 DataMatrix, und du scannst aktuell von Hand nach.
- Du willst Rückrufe oder Reklamationen sauber auf Charge oder Serie zurückführen.
- Du lagerst auf engem Raum und brauchst kompakte Codes mit vielen Informationen.
Wenn nichts davon auf dich zutrifft, kannst du mit klassischen Barcodes weiterarbeiten. Der Data-Matrix-Code ist kein Selbstzweck – er löst konkrete Probleme.
Häufige Fragen zum Data-Matrix-Code
Kann mein alter Barcode-Scanner Data-Matrix-Codes lesen?
In der Regel nein. Reine 1D-Laserscanner lesen nur Striche. Für Data-Matrix brauchst du einen 2D-Imager, also eine Kamera-basierte Scan-Einheit. Prüfe das Datenblatt deines Geräts – dort steht, welche Codes unterstützt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Data-Matrix-Code und QR-Code?
Beide sind 2D-Codes, aber sie nutzen unterschiedliche Muster und Standards. Der Data-Matrix-Code hat zwei durchgehende und zwei gestrichelte Randlinien, der QR-Code drei größere Quadrate in den Ecken. Im Handel und in der Logistik ist der GS1 DataMatrix verbreiteter, im Marketing der QR-Code.
Muss ich als Onlinehändler Data-Matrix-Codes verwenden?
Nicht pauschal. Es gibt Branchen mit Vorgaben, etwa bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (Sicherheitsmerkmale nach der EU-Fälschungsschutzrichtlinie) oder bei Medizinprodukten (UDI, als Strich- oder 2D-Code). Für die meisten Onlinehändler ist es eine Effizienz- und Prozessfrage. Kläre branchenspezifische Pflichten mit deinem Verband oder deiner Rechtsberatung.
Wie drucke ich selbst Data-Matrix-Codes?
Mit einem Etikettendrucker und passender Software. Wichtig sind ausreichende Modulgröße, Ruhezone und Kontrast. Für erste Tests kannst du einen Online-Generator nutzen – etwa den Gratis-Barcode-Generator von beeShip.
Was passiert, wenn Charge oder MHD im Code fehlen?
Dann kannst du FEFO nicht sauber umsetzen und Rückverfolgbarkeit wird schwierig. Der Code funktioniert technisch, aber der Prozessnutzen fehlt. Sprich mit deinem Lieferanten, wenn du diese Felder brauchst.
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