Meldebestand: Wann du nachbestellen musst
Der Meldebestand sagt dir, bei welchem Lagerbestand du eine neue Bestellung auslösen musst, damit dir die Ware nicht ausgeht. Formel, Rechenbeispiel und Abgrenzung zu Mindest- und Sicherheitsbestand.

Inhaltsverzeichnis
- Was ist der Meldebestand?
- Meldebestand berechnen: die Formel
- Rechenbeispiel: Meldebestand in der Praxis
- Meldebestand, Mindestbestand, Sicherheitsbestand: der Unterschied
- Das Bestellpunktverfahren kurz erklärt
- Warum der Meldebestand pro Artikel gilt
- Meldebestand in der Praxis: automatisch statt Zettelwirtschaft
- Häufige Fehler beim Meldebestand
- Häufige Fragen zum Meldebestand
Der Meldebestand ist die Bestandsmenge, bei deren Erreichen du eine neue Bestellung beim Lieferanten auslösen musst, damit die Ware rechtzeitig vor dem Ausverkauf eintrifft. Er ergibt sich aus dem Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit plus Sicherheitsbestand.
- Der Meldebestand ist der Bestellauslöser: Ist er erreicht, bestellst du nach.
- Formel: durchschnittlicher Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand.
- Er ist nicht dasselbe wie Mindestbestand, Sicherheitsbestand oder Höchstbestand.
Es ist Montagmorgen, du öffnest dein Lager und siehst: Vom Bestseller liegen nur noch 40 Stück im Regal. Der Lieferant braucht üblicherweise zehn Tage, bis die Ware bei dir ist. Verkaufst du pro Tag fünf Stück, sind die 40 Stück in acht Tagen weg – zwei Tage zu früh. Genau hier kommt der Meldebestand ins Spiel.
Der Meldebestand ist eine der wichtigsten Kennzahlen in der Lagerhaltung. Er beantwortet eine einzige, aber entscheidende Frage: Ab welchem Restbestand muss ich eine neue Bestellung auslösen, damit mir die Ware nicht ausgeht? Wer ihn kennt, bestellt weder zu spät (Out-of-Stock) noch zu früh (gebundenes Kapital).
Was ist der Meldebestand?
Der Meldebestand – auch Bestellpunkt genannt – ist die Bestandsmenge, bei deren Erreichen du eine Bestellung beim Lieferanten auslöst. Er ist kein Mindestbestand, sondern ein Auslösewert: Solange dein Bestand über dem Meldebestand liegt, musst du nichts tun. Sobald er ihn erreicht oder unterschreitet, wird bestellt.
Der Meldebestand deckt genau die Zeitspanne ab, in der du auf die Lieferung wartest – die sogenannte Wiederbeschaffungszeit. In dieser Zeit verkaufst du weiter, ohne dass neue Ware nachkommt. Der Meldebestand sorgt dafür, dass der Bestand in dieser Lücke nicht auf null fällt.
Der Meldebestand ist ein Signal, kein Limit. Er sagt dir „jetzt bestellen“, nicht „nicht mehr verkaufen“.
Meldebestand berechnen: die Formel
Die Berechnung ist erfreulich einfach. Sie besteht aus zwei Teilen: dem Verbrauch während der Lieferzeit und einem Puffer für Unsicherheiten.
Meldebestand = durchschnittlicher Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand
Die einzelnen Bausteine:
- Durchschnittlicher Tagesverbrauch: Wie viele Stück verkaufst du pro Tag im Mittel? (Absatz der letzten Wochen ÷ Anzahl Tage)
- Wiederbeschaffungszeit: Wie viele Tage dauert es vom Bestellen bis zum Einlagern? Dazu zählen Lieferzeit des Lieferanten, Bearbeitung und Wareneingang.
- Sicherheitsbestand: Der Puffer für Schwankungen bei Absatz und Lieferzeit.
Rechenbeispiel: Meldebestand in der Praxis
Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Du verkaufst eine Handyhülle im Schnitt 20 Stück pro Tag. Dein Lieferant braucht 10 Tage bis zur Lieferung. Als Puffer planst du einen Sicherheitsbestand von 100 Stück ein.
| Baustein | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Tagesverbrauch | 20 Stück | durchschnittlicher Absatz pro Tag |
| Wiederbeschaffungszeit | 10 Tage | Zeit bis zur Einlagerung |
| Verbrauch in Lieferzeit | 200 Stück | 20 × 10 |
| Sicherheitsbestand | 100 Stück | Puffer für Schwankungen |
| Meldebestand | 300 Stück | 200 + 100 |
Sinkt dein Bestand also auf 300 Stück, löst du die nächste Bestellung aus. Die 200 Stück decken den Verkauf während der Lieferzeit, die 100 Stück fangen einen unerwartet starken Ansturm oder eine verspätete Lieferung ab.
Rechne den Tagesverbrauch nicht mit einem einzelnen Spitzentag, sondern mit einem Durchschnitt – und passe ihn saisonal an. Vor Weihnachten verkaufst du anders als im Februar.
Meldebestand, Mindestbestand, Sicherheitsbestand: der Unterschied
Diese Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Sie beschreiben aber unterschiedliche Dinge:
- Meldebestand: Auslösewert für die Bestellung. Er liegt über dem Sicherheitsbestand.
- Sicherheitsbestand: eiserne Reserve, die Schwankungen abfedert. Er wird möglichst nie angetastet.
- Mindestbestand: die Untergrenze, die nicht unterschritten werden soll – häufig gleichbedeutend mit dem Sicherheitsbestand, manchmal inklusive eines kleinen Restpuffers.
- Höchstbestand: die Obergrenze, die dein Lager nicht überschreiten soll – begrenzt durch Lagerplatz und Kapitalbindung.
| Kennzahl | Funktion | Lage |
|---|---|---|
| Höchstbestand | Obergrenze | oben |
| Meldebestand | Bestellung auslösen | Mitte |
| Sicherheitsbestand | Puffer | unten |
| Mindestbestand | Untergrenze | ganz unten |
Das Bestellpunktverfahren kurz erklärt
Der Meldebestand ist der Kern des Bestellpunktverfahrens (auch Bestellpunktpolitik). Das Prinzip: Du beobachtest laufend deinen Bestand. Sobald er den Meldebestand erreicht, wird eine feste Bestellmenge ausgelöst. So musst du nicht jeden Tag rechnen – der Bestand selbst ist dein Signal.
Warum der Meldebestand pro Artikel gilt
Ein Meldebestand für das ganze Lager ergibt keinen Sinn. Jeder Artikel – jede SKU – hat seinen eigenen Tagesverbrauch, seine eigene Lieferzeit und damit seinen eigenen Meldebestand. Ein Langsamdreher braucht einen ganz anderen Wert als ein Bestseller.
Deshalb lohnt es sich, die Werte regelmäßig zu prüfen. Ändert sich dein Absatz oder deine Lieferzeit, wandert auch der Meldebestand. Wer ihn einmal berechnet und nie wieder anfasst, bestellt irgendwann zu spät oder zu früh.
Ein verwandter Wert ist die Lagerumschlagshäufigkeit. Sie zeigt dir, wie oft sich dein Lager im Jahr dreht – ein guter Indikator dafür, ob deine Bestellmengen insgesamt im grünen Bereich liegen.
Meldebestand in der Praxis: automatisch statt Zettelwirtschaft
In einer Tabellenkalkulation funktioniert der Meldebestand nur so lange, wie jemand die Zahlen pflegt. Sobald mehrere Kanäle, mehrere Lagerorte und hunderte Artikel dazukommen, wird das schnell fehleranfällig. Genau hier hilft ein Warenwirtschafts- oder Lagersystem.
In beeShip laufen Lieferantenbestellungen und Wareneingang in einem Modul zusammen. Du verwaltest Lieferanten, erstellst Bestellungen und verfolgst ihren Status von Entwurf über Bestellt und Teilweise erhalten bis Vollständig erhalten. Ein Dashboard zeigt dir offene Lieferungen und den Gesamtwert deiner Bestellungen auf einen Blick.
Beim Wareneingang siehst du zwei Fortschrittsbalken: einen für den Empfang (erhaltene vs. bestellte Artikel) und einen für die Einlagerung (eingelagerte vs. erhaltene Artikel). So verlierst du nie aus den Augen, ob die Ware wirklich im Regal liegt. Über die mobile Oberfläche erfasst du Einlagerungen direkt im Lager, inklusive Lagerortvorschlägen, Chargennummern und Mindesthaltbarkeitsdaten.
Weil beeShip an Billbee angebunden ist, werden Bestände bei Wareneingang automatisch aktualisiert – die Ware ist also sofort in deinen angebundenen Shops verfügbar. Mehr dazu findest du unter Lieferantenbestellungen.
Häufige Fehler beim Meldebestand
- Zu knapp kalkulieren: Wer den Sicherheitsbestand auf null setzt, riskiert Out-of-Stock bei jeder Lieferverzögerung.
- Lieferzeit unterschätzen: Zähle nicht nur die reine Transportzeit, sondern auch Bearbeitung und Wareneingang.
- Werte nie aktualisieren: Absatz und Lieferzeiten ändern sich – der Meldebestand muss mit.
- Meldebestand mit Mindestbestand verwechseln: Der Meldebestand löst die Bestellung aus, der Mindestbestand ist die Notreserve.
Häufige Fragen zum Meldebestand
Wie berechne ich den Meldebestand?
Meldebestand = durchschnittlicher Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand. Beispiel: 20 Stück pro Tag × 10 Tage Lieferzeit + 100 Stück Puffer = 300 Stück.
Was ist der Unterschied zwischen Meldebestand und Mindestbestand?
Der Meldebestand ist der Auslösewert für eine neue Bestellung. Der Mindestbestand ist die Untergrenze, die nicht unterschritten werden soll – häufig gleichbedeutend mit dem Sicherheitsbestand. Der Meldebestand liegt immer über dem Mindestbestand.
Was gehört zur Wiederbeschaffungszeit?
Alles vom Auslösen der Bestellung bis zur Einlagerung: Bearbeitung beim Lieferanten, Transport, Wareneingang und Einlagerung. Plane lieber etwas großzügiger als zu knapp.
Gilt der Meldebestand für jeden Artikel einzeln?
Ja. Jede SKU hat ihren eigenen Tagesverbrauch und ihre eigene Lieferzeit und braucht deshalb einen eigenen Meldebestand. Ein pauschaler Wert fürs ganze Lager führt zu Fehlbeständen.
Was ist das Bestellpunktverfahren?
Beim Bestellpunktverfahren löst du immer dann eine Bestellung aus, wenn der Bestand den Meldebestand erreicht. Der Bestand selbst ist das Signal – du musst nicht täglich rechnen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Fachinformation und kein Rechtsrat. Für verbindliche Vorgaben zu Lagerhaltung und Buchführung wende dich an deine Steuerberatung.
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