Bestellpunktverfahren: Wann du nachbestellst
Das Bestellpunktverfahren sagt dir, bei welchem Lagerbestand du eine neue Lieferantenbestellung auslöst. Formel, durchgerechnetes Beispiel, Sonderfälle und typische Rechenfehler.

Inhaltsverzeichnis
- Bestellpunktverfahren in einem Satz
- Durchgerechnetes Beispiel
- Zweite Variante: mit offenen Bestellungen
- Wie interpretierst du das Ergebnis?
- Bestellpunktverfahren vs. Bestellrhythmusverfahren
- Typische Rechenfehler
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Häufige Fragen zum Bestellpunktverfahren
Das Bestellpunktverfahren ist eine Lagerhaltungsstrategie, bei der eine Nachbestellung ausgelöst wird, sobald der verfügbare Bestand einen festgelegten Meldebestand (Bestellpunkt) erreicht oder unterschreitet.
- Formel: Bestellpunkt = Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand.
- Beim Bestellpunktverfahren bestellst du eine feste Menge, sobald der disponible Bestand den Bestellpunkt erreicht.
- Offene Bestellungen, Reservierungen und die echte Lieferzeit gehören in die Rechnung – sonst bestellst du zu früh oder zu spät.
Das Bestellpunktverfahren beantwortet im Lageralltag eine einfache Frage: Ab welchem Restbestand muss ich eine neue Lieferantenbestellung rausschicken, damit mir die Ware nicht ausgeht, bevor die nächste Lieferung da ist?
Der Bestellpunkt ist keine starre Größe. Er hängt an deinem Absatz, an der Lieferzeit deines Lieferanten und daran, wie viel Puffer du dir leisten willst. Wer ihn einmal grob überschlägt und dann nie wieder anfasst, bestellt entweder zu früh (Kapital liegt im Regal) oder zu spät (Kunden warten). Beides nervt.
Bestellpunktverfahren in einem Satz
Beim Bestellpunktverfahren löst du eine Bestellung aus, sobald der verfügbare Bestand eines Artikels den vorher festgelegten Bestellpunkt erreicht oder darunter fällt. Die Bestellmenge selbst bleibt konstant – du bestellst also immer dieselbe Menge, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das unterscheidet das Verfahren vom Bestellrhythmusverfahren, bei dem du in festen Abständen bestellst und die Menge jedes Mal neu bestimmst.
Klingt simpel. Ist es auch – wenn die Eingangsdaten stimmen. Genau da scheitert es in der Praxis am häufigsten.
Durchgerechnetes Beispiel
Nehmen wir einen Artikel, den du regelmäßig verkaufst. Die Zahlen sind ein Beispiel, keine Vorgabe.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Tagesverbrauch ermitteln | 900 Stück im Monat ÷ 30 Tage | 30 Stück/Tag |
| Wiederbeschaffungszeit | Lieferant braucht 10 Tage | 10 Tage |
| Verbrauch während Lieferzeit | 30 × 10 | 300 Stück |
| Sicherheitsbestand | 3 Tage Puffer | 90 Stück |
| Bestellpunkt | 300 + 90 | 390 Stück |
Sobald der verfügbare Bestand auf 390 Stück fällt, löst du die Bestellung aus. Die Ware reicht dann im Schnitt für 13 Tage – 10 Tage Lieferzeit plus 3 Tage Puffer.
Zweite Variante: mit offenen Bestellungen
Die einfache Formel ignoriert, dass oft schon eine Bestellung unterwegs ist. Wenn du 390 Stück als Bestellpunkt nimmst und parallel eine Lieferung mit 500 Stück erwartest, bestellst du doppelt. Deshalb rechnen viele Lager mit dem disponiblen Bestand (oft auch verfügbarer Bestand genannt):
Disponibler Bestand = Lagerbestand + offene Bestellungen − reservierte Mengen
Erst dieser Wert wird mit dem Bestellpunkt verglichen. In einem Warenwirtschaftssystem ist das meist automatisch hinterlegt – im Kopf oder auf einem Zettel wird es schnell fehleranfällig.
Prüfe deine Wiederbeschaffungszeit nicht nach Gefühl, sondern nach den letzten Wareneingängen. Der Unterschied zwischen „laut Lieferant 7 Tage“ und „real 12 Tage“ ist genau der Grund, warum Bestände trotz Bestellpunkt leer laufen.
Wie interpretierst du das Ergebnis?
Ein hoher Bestellpunkt bedeutet nicht automatisch, dass du zu viel einkaufst. Er kann auch heißen, dass dein Lieferant langsam ist oder dein Absatz stark schwankt. Schau dir drei Dinge an:
- Verhältnis Bestellpunkt zu Bestellmenge: Ist die Bestellmenge im Verhältnis zum Bestellpunkt klein, bestellst du sehr häufig kleine Mengen. Das kann sinnvoll sein, wenn Lagerplatz knapp ist.
- Reichweite: Wie viele Tage deckt der Bestellpunkt ab? Wenn er nur knapp über der Lieferzeit liegt, hast du kaum Puffer.
- Absatzschwankung: Bei stark saisonalen Artikeln ist ein fester Tagesverbrauch eine grobe Näherung. Hier hilft ein größerer Sicherheitsbestand oder ein rollierender Durchschnitt.
Und die Gegenfrage: Wie oft willst du eigentlich bestellen? Wenn dein Bestellpunkt dazu führt, dass du dreimal pro Woche beim selben Lieferanten anrufst, stimmt etwas an der Bestellmenge nicht – nicht am Bestellpunkt.
Bestellpunktverfahren vs. Bestellrhythmusverfahren
| Kriterium | Bestellpunktverfahren | Bestellrhythmusverfahren |
|---|---|---|
| Auslöser | Bestand erreicht Meldebestand | Fester Zeitplan |
| Bestellmenge | Konstant | Variabel |
| Bestellzeitpunkt | Variabel | Konstant |
| Lagerkontrolle | Permanent nötig | Nur zum Bestellzeitpunkt |
| Geeignet für | Wertvolle, unregelmäßig verkaufte Artikel | Günstige, gleichmäßig verkaufte Artikel |
In der Praxis kombinieren viele Händler beide Ansätze: A-Artikel mit Bestellpunkt, C-Artikel im festen Rhythmus. Das ist kein Widerspruch, sondern gesunder Menschenverstand.
Typische Rechenfehler
Diese Stolpersteine sehen wir bei Händlern immer wieder:
- Reservierte Ware nicht abgezogen: Bestände, die schon für offene Aufträge reserviert sind, stehen im System, sind aber faktisch weg. Wer sie mitzählt, bestellt zu spät.
- Lieferzeit zu optimistisch: Die Bestätigung des Lieferanten ist nicht die Realität. Plane lieber mit dem Durchschnitt der letzten Lieferungen.
- Sicherheitsbestand vergessen oder zu klein: Ohne Puffer reicht eine verspätete Lieferung, um dich auszuverkaufen. Details dazu findest du beim Sicherheitsbestand.
- Bestellpunkt nie angepasst: Absatz ändert sich, Lieferzeiten ändern sich, der Bestellpunkt bleibt. Mindestens quartalsweise prüfen.
- Begriffe vermischt: Meldebestand und Bestellpunkt meinen meist dieselbe Zahl. Das Bestellpunktverfahren ist die Strategie dahinter.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
In beeShip pflegst du Lieferanten und Bestellungen zentral: Bestellungen haben klare Status von Entwurf über bestellt bis vollständig erhalten. Pro Bestellung hinterlegst du ein erwartetes Lieferdatum, beim Wareneingang das tatsächliche Eingangsdatum – so siehst du, wie lang die Wiederbeschaffungszeit wirklich ist. Der Wareneingang wird protokolliert, mit Fortschrittsbalken für Empfang und Einlagerung. Über die Billbee-Anbindung werden Bestände nach dem Wareneingang automatisch aktualisiert – so bleibt dein Bestellpunkt eine verlässliche Größe statt einer Schätzung.
Häufige Fragen zum Bestellpunktverfahren
Was ist der Unterschied zwischen Bestellpunkt und Meldebestand?
In der Praxis meinen beide Begriffe meist dasselbe: die Bestandsmenge, bei der eine Nachbestellung ausgelöst wird. Das Bestellpunktverfahren ist die Strategie dahinter – also die Regel, bei Erreichen dieser Menge eine feste Menge nachzubestellen.
Wann lohnt sich das Bestellpunktverfahren nicht?
Bei sehr günstigen Artikeln mit gleichmäßigem Absatz ist der Aufwand für permanente Bestandskontrolle oft höher als der Nutzen. Hier ist das Bestellrhythmusverfahren meist einfacher. Auch bei stark schwankendem Absatz stößt die Formel an Grenzen.
Muss ich den Bestellpunkt regelmäßig neu berechnen?
Ja. Absatz, Lieferzeiten und Sicherheitsbestand ändern sich. Ein Bestellpunkt, der vor einem Jahr gepasst hat, kann heute zu Fehlbeständen oder zu viel Kapitalbindung führen. Ein quartalsweiser Check ist ein guter Start.
Wie hängt der Bestellpunkt mit den Lieferantenbestellungen zusammen?
Der Bestellpunkt ist der Auslöser, die Lieferantenbestellung die Umsetzung. Wie du Lieferantenbestellungen sauber anlegst und Wareneingänge verfolgst, zeigt dir unsere Seite zum Lieferantenmanagement.
Wir bauen Lagersoftware für Onlinehändler und Fulfiller im DACH-Raum – damit dein Lager schneller, fehlerfreier und unabhängiger versendet.
Weniger suchen, mehr versenden.
In einer kurzen Demo siehst du, wie beeShip Bestand, Lagerplätze und Versand für dich zusammenhält.
- Verdopple deine Versandkapazität
- Bis zu 99,9 % weniger Versandfehler
- Plug & Play mit Billbee, Shopify & Co.