Andler-Formel: Optimale Bestellmenge berechnen
Die Andler-Formel hilft dir, Bestell- und Lagerkosten in Balance zu bringen. Wir zeigen dir die Herleitung, ein durchgerechnetes Beispiel und typische Rechenfehler aus der Praxis.

Inhaltsverzeichnis
- Wie leitest du die Andler-Formel her?
- Durchgerechnetes Beispiel: So wendest du die Formel an
- Zweite Variante: Was passiert bei Mengenrabatt?
- Wie interpretierst du das Ergebnis?
- Typische Rechenfehler – und wie du sie vermeidest
- Abgrenzung zur optimalen Bestellmenge
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Häufige Fragen zur Andler-Formel
Die Andler-Formel ist ein klassisches Modell zur Berechnung der optimalen Bestellmenge: √(2 × Jahresbedarf × Bestellkosten ÷ Lagerkostensatz pro Stück). Bei dieser Menge ist die Summe aus Bestell- und Lagerhaltungskosten am kleinsten.
Optimale Bestellmenge = √(2 × Jahresbedarf × Bestellkosten ÷ Lagerkostensatz pro Stück)
Du willst wissen, wie viel du bei jedem Bestellvorgang ordern solltest, damit die Summe aus Bestell- und Lagerkosten möglichst klein bleibt? Genau dafür gibt es die Andler-Formel. Sie liefert dir einen Richtwert – keinen starren Befehl.
Stell dir vor, du bestellst alle zwei Wochen 200 Stück eines Artikels. Der Lieferant gewährt dir einen Mengenrabatt, aber dein Lager quillt über. Oder du bestellst jede Woche 50 Stück, hast kaum Lagerkosten, aber die Bestellabwicklung frisst Zeit und Geld. Die Andler-Formel setzt genau hier an: Sie sucht den Punkt, an dem die Summe beider Kostenblöcke am kleinsten ist.
Wie leitest du die Andler-Formel her?
Die Formel fällt nicht vom Himmel. Sie entsteht aus einer einfachen Überlegung: Gesamtkosten = Bestellkosten + Lagerkosten.
- Bestellkosten pro Jahr: Jahresbedarf ÷ Bestellmenge × Bestellkosten pro Bestellung. Je größer die Bestellmenge, desto seltener bestellst du – die Bestellkosten sinken.
- Lagerkosten pro Jahr: (Bestellmenge ÷ 2) × Lagerkostensatz pro Stück. Der Faktor ½ ist der durchschnittliche Lagerbestand, wenn du gleichmäßig verbrauchst und keine Sicherheitsbestände hältst. Je größer die Bestellmenge, desto höher die Lagerkosten.
Leitest du die Gesamtkosten nach der Bestellmenge ab, setzt das Ergebnis gleich null und löst nach der Bestellmenge auf, erhältst du die Andler-Formel. Im Optimum sind beide Kostenblöcke genau gleich hoch – im Diagramm ist das der Punkt, an dem sich die Kurven von Bestell- und Lagerkosten schneiden.
Die Andler-Formel ist ein Modell – sie kennt weder Rabattstaffeln noch Lieferengpässe. Sie gibt dir einen Startpunkt, den du an deine Realität anpasst.
Team beeShip
Durchgerechnetes Beispiel: So wendest du die Formel an
Nehmen wir einen Onlinehändler, der Kerzen verkauft. Der Jahresbedarf liegt bei 12.000 Stück. Jede Bestellung kostet 50 Euro (Porto, Personal, Buchhaltung). Der Lagerkostensatz pro Stück und Jahr beträgt 2 Euro (Miete, Kapitalbindung, Versicherung, Schwund).
Setze die Werte in die Formel ein:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Werte einsetzen | √(2 × 12.000 × 50 ÷ 2) | – |
| 2. Zähler berechnen | 2 × 12.000 × 50 = 1.200.000 | 1.200.000 |
| 3. Division | 1.200.000 ÷ 2 = 600.000 | 600.000 |
| 4. Wurzel ziehen | √600.000 ≈ 774,6 | ≈ 775 Stück |
Die optimale Bestellmenge liegt also bei rund 775 Stück pro Bestellung. Bei einem Jahresbedarf von 12.000 Stück ergibt das etwa 15,5 Bestellungen pro Jahr – also ungefähr alle drei Wochen eine Bestellung. Klingt plausibel? Prüfen wir die Kosten: 15,5 × 50 Euro = 775 Euro Bestellkosten. Der durchschnittliche Lagerbestand ist 775 ÷ 2 = 387,5 Stück, mal 2 Euro = 775 Euro Lagerkosten. Beide Blöcke sind gleich hoch – genau das ist das Kennzeichen der optimalen Menge.
Zweite Variante: Was passiert bei Mengenrabatt?
Angenommen, dein Lieferant bietet ab 1.000 Stück einen Rabatt von 0,10 Euro pro Stück. Die Andler-Formel kennt diesen Rabatt nicht – sie würde weiterhin 775 Stück empfehlen. Jetzt bist du gefragt: Rechne die Rabattersparnis gegen die höheren Lagerkosten.
Bei 1.000 Stück: Bestellkosten = 12 × 50 = 600 Euro. Lagerkosten = (1.000 ÷ 2) × 2 = 1.000 Euro. Summe = 1.600 Euro. Das sind 50 Euro mehr als bei 775 Stück. Dem steht die Rabattersparnis von 12.000 × 0,10 = 1.200 Euro im Jahr gegenüber. Unterm Strich fährst du in diesem Beispiel mit 1.000 Stück pro Bestellung also rund 1.150 Euro günstiger. Also: Die Andler-Formel liefert den Ausgangspunkt, aber Rabatte können die Entscheidung verschieben.
Prüfe bei jeder Bestellung, ob der Lieferant Mindestmengen, Staffelpreise oder Verpackungseinheiten vorgibt. Oft ist die rechnerisch optimale Menge nicht die praktisch sinnvollste.
Wie interpretierst du das Ergebnis?
Die Zahl aus der Andler-Formel ist ein Richtwert. Sie sagt dir: Bei dieser Menge sind Bestell- und Lagerkosten in Balance. Aber sie sagt nichts über Lieferzeiten, Schwankungen oder saisonale Nachfrage. Wenn du starke Umsatzschwankungen hast – etwa im Weihnachtsgeschäft –, solltest du mit dynamischen Bestellmengen arbeiten oder Sicherheitsbestände einplanen.
Ein weiterer Punkt: Die Formel unterstellt einen gleichmäßigen Verbrauch. In der Realität verkaufst du mal mehr, mal weniger. Deshalb ist es sinnvoll, die optimale Bestellmenge regelmäßig zu überprüfen – etwa quartalsweise – und an veränderte Einkaufspreise oder Lagerkosten anzupassen.
Typische Rechenfehler – und wie du sie vermeidest
- Jahresbedarf mit Monatsbedarf verwechseln: Die Formel braucht den Jahresbedarf. Wer den Monatsbedarf einsetzt, bekommt eine viel zu kleine Menge.
- Bestellkosten zu niedrig ansetzen: Vergiss nicht Personal, Porto, Buchhaltung und gegebenenfalls die Kosten der Zollabwicklung. Sonst unterschätzt du die Bestellkosten und bestellst zu oft.
- Lagerkostensatz falsch berechnen: Miete, Kapitalbindung, Versicherung, Schwund und Handling gehören dazu. Ein zu niedriger Satz führt zu zu großen Bestellmengen.
- Formel als starre Vorgabe sehen: Die Andler-Formel ist ein Modell. Rabatte, Mindestmengen oder Lieferengpässe können eine andere Menge sinnvoller machen.
- Sicherheitsbestand ignorieren: Die Formel geht von einem durchschnittlichen Lagerbestand von Bestellmenge ÷ 2 aus. Wenn du Sicherheitsbestände hältst, erhöhen sich die Lagerkosten.
Ein häufiger Stolperstein: Händler setzen die Bestellkosten pro Bestellung zu niedrig an, weil sie nur das Porto sehen. Aber auch die Zeit für Lieferantenkommunikation, Wareneingangskontrolle und Buchhaltung kostet Geld. Rechne lieber großzügig.
Abgrenzung zur optimalen Bestellmenge
Die Andler-Formel ist die mathematische Grundlage. Die optimale Bestellmenge ist der praktische Wert, den du daraus ableitest – unter Berücksichtigung von Rabatten, Lieferzeiten und Lagerkapazität. Kurz: Die Formel liefert die Zahl, die Praxis entscheidet.
Für die Berechnung brauchst du zwei zentrale Größen: deine Lagerkosten und eine saubere Bedarfsermittlung. Ohne verlässliche Zahlen für Jahresbedarf und Kosten bleibt jede Formel Stochern im Nebel.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
In beeShip pflegst du Lieferanten und Bestellungen direkt im System. Die Bestellübersicht zeigt dir Bestellnummer, Lieferant, Datum, Status und Wert. Beim Wareneingang siehst du zwei Fortschrittsbalken: einen für den Empfang (erhaltene vs. bestellte Artikel) und einen für die Einlagerung (eingelagerte vs. erhaltene Artikel). So behältst du den Überblick, ob deine Bestellmengen tatsächlich im Lager ankommen. Über die Billbee-Anbindung werden Bestände bei Wareneingang automatisch aktualisiert – das hilft dir, deine Bedarfszahlen aktuell zu halten.
Häufige Fragen zur Andler-Formel
Was ist die Andler-Formel?
Die Andler-Formel berechnet die optimale Bestellmenge, bei der die Summe aus Bestellkosten und Lagerkosten minimal ist. Sie lautet: √(2 × Jahresbedarf × Bestellkosten ÷ Lagerkostensatz pro Stück).
Kann ich die Andler-Formel auch für mehrere Artikel gleichzeitig nutzen?
Ja, du berechnest die optimale Bestellmenge für jeden Artikel einzeln. Achte darauf, dass du für jeden Artikel die passenden Bestellkosten und Lagerkostensätze verwendest.
Was mache ich, wenn mein Lieferant Mindestbestellmengen hat?
Dann ist die rechnerisch optimale Menge oft nicht bestellbar. Prüfe, ob die Mindestmenge wirtschaftlich vertretbar ist – oder ob du den Artikel bei einem anderen Lieferanten beziehst. Die Formel liefert nur den theoretischen Optimalwert.
Ersetzt die Andler-Formel eine professionelle Lagerverwaltung?
Nein. Die Formel ist ein Rechenmodell. Eine Lagerverwaltung wie beeShip hilft dir, Bestände, Wareneingänge und Lieferanten im Blick zu behalten und die Daten für die Formel aktuell zu halten.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
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