ABC-Analyse: So priorisierst du dein Lager richtig
Die ABC-Analyse hilft dir, deine Lagerartikel nach Umsatz und Pickhäufigkeit zu priorisieren. So platzierst du A-Artikel nah am Packtisch und sparst Wege.

Inhaltsverzeichnis
- Was ist die ABC-Analyse – und was bringt sie im Lager?
- Schritt 1: Die richtigen Daten aus deinem System holen
- Schritt 2: Sortieren und kumulieren – so wird aus Zahlen eine Rangliste
- Schritt 3: Die Klassengrenzen festlegen – A, B, C
- Schritt 4: A-Artikel nah am Packtisch platzieren
- Schritt 5: Überprüfen, anpassen, wiederholen
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Häufige Stolpersteine – und wie du sie vermeidest
- Häufige Fragen zur ABC-Analyse
Die ABC-Analyse ist eine Methode, um Lagerartikel nach ihrer Bedeutung für das Unternehmen zu klassifizieren – meist nach Umsatz oder Pickhäufigkeit. Sie teilt Artikel in die Klassen A, B und C ein, wobei A-Artikel die höchste Priorität haben.
Am Ende dieses Leitfadens weißt du, wie du mit der ABC-Analyse deine Lagerartikel in A-, B- und C-Klassen einteilst – und wie du daraus konkrete Verbesserungen für deinen Packtisch ableitest. Keine BWL-Theorie, sondern der Blick aus dem Lager.
Stell dir vor, du stehst morgens im Lager. Vor dir liegen 500 verschiedene Artikel. Deine Kommissionierer laufen kreuz und quer, weil die meistverkauften Produkte ganz hinten in der letzten Regalreihe stehen. Kommt dir bekannt vor? Genau hier setzt die ABC-Analyse an. Sie zeigt dir, welche Artikel du nah an den Packtisch holst und welche weiter hinten liegen dürfen.
Was ist die ABC-Analyse – und was bringt sie im Lager?
Die ABC-Analyse ist eine einfache Methode, um Artikel nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen. Im Lager geht es meist um zwei Kriterien: Umsatz und Pickhäufigkeit. Ein Artikel, der oft gepickt wird, verursacht viele Wege. Ein Artikel mit hohem Umsatz bindet Kapital. Beides ist wichtig, aber nicht immer deckungsgleich.
Das Ziel: Du erkennst, welche Artikel den größten Hebel haben. A-Artikel bekommen den besten Platz, C-Artikel dürfen weiter hinten stehen. So reduzierst du Wegezeiten und machst deine Kommissionierung effizienter. Klingt simpel, ist es auch – wenn du die Daten sauber aufbereitest.
Schritt 1: Die richtigen Daten aus deinem System holen
Bevor du klassifizierst, brauchst du Zahlen. Welche? Das hängt von deinem Ziel ab. Willst du Wege sparen, nimm die Pickhäufigkeit (wie oft wird ein Artikel kommissioniert?). Willst du die Kapitalbindung senken, nimm den Umsatz oder den Deckungsbeitrag. Am besten ziehst du beide Werte.
Die Daten kommen aus deiner Warenwirtschaft oder deinem Shopsystem. Bei vielen Händlern reicht ein Export der Verkaufszahlen der letzten 12 Monate. Achte darauf, dass du Artikel ohne Verkäufe nicht unterschlägst – sie sind automatisch C-Kandidaten.
Nimm einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten, besser 12. Saisonartikel verfälschen das Bild, wenn du nur einen Monat betrachtest.
Schritt 2: Sortieren und kumulieren – so wird aus Zahlen eine Rangliste
Jetzt wird es konkret. Du sortierst alle Artikel absteigend nach deinem Hauptkriterium – sagen wir, nach Pickhäufigkeit. Der Artikel mit den meisten Picks steht ganz oben. Dann berechnest du für jeden Artikel den prozentualen Anteil an der Gesamtsumme und summierst diese Prozente auf.
Ein Beispiel: Nehmen wir an, du hast 100 Artikel und insgesamt 10.000 Picks im Jahr. Artikel 1 hat 1.000 Picks, das sind 10 %. Artikel 2 hat 800 Picks, das sind 8 %. Die kumulierten Prozente wachsen also: 10 %, 18 %, 26 % und so weiter. Sobald du 80 % erreichst, endet die A-Klasse.
Das ist die klassische 80/20-Faustregel: Etwa 20 % der Artikel machen 80 % der Picks aus. Das ist keine Naturkonstante, sondern eine Beobachtung, die oft – aber nicht immer – zutrifft. Deine Verteilung kann anders aussehen. Deshalb: Rechne mit deinen echten Zahlen.
Schritt 3: Die Klassengrenzen festlegen – A, B, C
Wo genau ziehst du die Grenzen? Es gibt keine gesetzliche Vorgabe. Üblich sind:
- A-Artikel: die ersten 80 % des kumulierten Werts (oder der Picks)
- B-Artikel: die nächsten 15 %
- C-Artikel: die restlichen 5 %
Du kannst die Grenzen aber auch anders setzen, je nachdem, wie fein du steuern willst. Wichtig ist, dass du sie dokumentierst und nicht bei jeder Analyse änderst. Sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
Ein Beispiel für eine Klassifizierung nach Pickhäufigkeit (fiktive Zahlen):
| Artikel | Picks pro Jahr | Anteil | Kumuliert | Klasse |
|---|---|---|---|---|
| Schraubendreher Set | 1.200 | 12 % | 12 % | A |
| Hammer 300g | 900 | 9 % | 21 % | A |
| Zange universal | 800 | 8 % | 29 % | A |
| Wasserwaage 60cm | 700 | 7 % | 36 % | A |
| Schraubenschlüssel 10er | 600 | 6 % | 42 % | A |
| … (weitere A-Artikel) | … | … | 80 % | A |
| Cuttermesser | 150 | 1,5 % | 82 % | B |
| Maßband 5m | 120 | 1,2 % | 83 % | B |
| … (weitere B-Artikel) | … | … | 95 % | B |
| Spezialzange | 20 | 0,2 % | 99 % | C |
| … (C-Artikel) | … | … | 100 % | C |
Beispiel: Die Zahlen sind frei erfunden und dienen nur der Veranschaulichung.
Schritt 4: A-Artikel nah am Packtisch platzieren
Jetzt kommt der Teil, der wirklich Zeit spart. A-Artikel gehören in die Nähe des Packtisches – am besten in Griffhöhe, ohne Bücken, ohne Leiter. B-Artikel dürfen etwas weiter weg, C-Artikel können ganz hinten stehen. So verkürzt du die Wege für die häufigsten Picks.
Denk dran: Es geht nicht nur um die Entfernung, sondern auch um die Häufigkeit. Ein Artikel, der 50-mal am Tag gepickt wird, sollte nicht 20 Meter vom Packtisch entfernt liegen. Ein Artikel, der einmal pro Woche gepickt wird, kann auch weiter weg stehen.
Oft sehen wir, dass Händler ihre A-Artikel zwar nah am Packtisch haben, aber die Nachschubwege vergessen. Achte darauf, dass auch die Reserveplätze für A-Artikel gut erreichbar sind.
Schritt 5: Überprüfen, anpassen, wiederholen
Die ABC-Analyse ist kein einmaliges Projekt. Sortiment ändert sich, Nachfrage schwankt, neue Produkte kommen dazu. Deshalb solltest du deine Klassifizierung regelmäßig überprüfen – zum Beispiel quartalsweise. Dabei gehst du die Schritte 1 bis 4 erneut durch.
Ein häufiger Fehler: Die Analyse wird einmal gemacht und dann nie wieder angefasst. Nach einem Jahr passen die Klassen nicht mehr zur Realität. Also: dranbleiben, aber mit Augenmaß. Nicht jede Woche neu rechnen – das verunsichert nur.
Und noch etwas: Die ABC-Analyse ist eine Priorisierungshilfe, kein starres Gesetz. Wenn du gute Gründe hast, einen C-Artikel nach vorne zu holen (weil er oft mit einem A-Artikel zusammen bestellt wird), dann mach das. Die Analyse soll dir helfen, nicht dich gängeln.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
Die ABC-Analyse selbst rechnest du am einfachsten in einer Tabelle. Die Lagerverwaltung liefert dir die Grundlage und setzt das Ergebnis im Lager um. In beeShip exportierst du über den Tagesabschluss alle versendeten Bestellungen eines Zeitraums samt bestellten Artikeln als CSV. Daraus zählst du die Picks pro Artikel aus und bildest deine Klassen.
Danach geht es an die Lagerplätze: In der Artikelübersicht hinterlegst du für jeden Artikel einen oder mehrere Lagerorte, zum Beispiel nach dem Muster Zone-Regal-Ebene-Fach. Legst du A-Artikel in eine eigene Zone nah am Packtisch, siehst du das direkt auf der Pickliste – beeShip zeigt beim Kommissionieren den Lagerort jedes Artikels an. Mehr zu den Pickstrategien findest du auf unserer Seite zu den Pickstrategien in beeShip.
Häufige Stolpersteine – und wie du sie vermeidest
- Falsche Datenbasis: Wenn du nur einen Monat betrachtest, verzerren Saisonspitzen das Bild. Nimm mindestens 6, besser 12 Monate.
- Nur nach Umsatz klassifizieren: Ein Artikel kann hohen Umsatz haben, aber selten gepickt werden. Für die Wegeoptimierung ist die Pickhäufigkeit oft aussagekräftiger.
- Klassengrenzen ständig ändern: Dann kannst du keine Vergleiche anstellen. Bleib bei deinen einmal festgelegten Grenzen, außer es gibt triftige Gründe.
- A-Artikel nicht nach vorne räumen: Die beste Analyse bringt nichts, wenn die physische Anordnung nicht angepasst wird.
- Reserveplätze vergessen: Auch der Nachschub für A-Artikel muss schnell erreichbar sein.
- Analyse als Einmalaktion: Sortiment und Nachfrage ändern sich. Plane regelmäßige Überprüfungen ein.
Häufige Fragen zur ABC-Analyse
Was ist der Unterschied zwischen ABC-Analyse und 80/20-Regel?
Die 80/20-Regel (Pareto-Prinzip) besagt, dass etwa 80 % der Wirkung von 20 % der Ursachen ausgehen. Die ABC-Analyse nutzt dieses Prinzip, um Artikel in drei Klassen einzuteilen. Die 80/20-Regel ist also die theoretische Grundlage, die ABC-Analyse die praktische Umsetzung.
Muss ich die ABC-Analyse nach Umsatz oder nach Pickhäufigkeit machen?
Das hängt von deinem Ziel ab. Für die Optimierung der Lagerwege ist die Pickhäufigkeit entscheidend. Für die Kapitalbindung oder Umsatzsteuerung ist der Umsatz oder Deckungsbeitrag relevant. Du kannst auch beide Kriterien kombinieren und eine gewichtete Kennzahl bilden.
Wie oft sollte ich die ABC-Analyse wiederholen?
In der Regel reicht es, die Analyse quartalsweise oder halbjährlich zu wiederholen. Bei stark schwankendem Sortiment oder saisonalen Produkten kann auch eine monatliche Überprüfung sinnvoll sein. Wichtig ist, dass du die Ergebnisse dokumentierst und Veränderungen nachvollziehen kannst.
Was mache ich mit C-Artikeln, die kaum gepickt werden?
C-Artikel können weiter hinten im Lager stehen. Prüfe aber, ob du sie überhaupt noch im Sortiment brauchst. Manche C-Artikel binden Kapital und Platz, ohne nennenswerten Umsatz zu bringen. Ein Blick auf die Lagerumschlagshäufigkeit hilft bei der Entscheidung, was du aus dem Sortiment nimmst.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
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