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Lagerreichweite: So planst du Nachbestellungen richtig

Die Lagerreichweite zeigt in Tagen, wie lange dein Bestand reicht. Formel, Rechenbeispiel, Ampel-Logik und typische Rechenfehler – praxisnah erklärt.

Lagerreichweite berechnen: Formel und Ampel für Nachbestellungen
Inhaltsverzeichnis
  1. Wie berechnest du die Lagerreichweite?
  2. Wie interpretierst du das Ergebnis?
  3. Lagerreichweite und Lagerdauer – wo ist der Unterschied?
  4. So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
  5. Typische Rechenfehler
  6. Häufige Fragen zur Lagerreichweite
Definition

Die Lagerreichweite gibt an, für wie viele Tage der aktuelle Bestand bei durchschnittlichem Verbrauch reicht. Sie wird als Bestand geteilt durch den durchschnittlichen Tagesverbrauch berechnet.

Auch genannt: Bestandsreichweite, Reichweite des Lagerbestands, Days of Inventory, Days of Supply
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Lagerreichweite = Bestand ÷ durchschnittlicher Tagesverbrauch

Das Ergebnis ist eine Zahl in Tagen: So lange reicht dein aktueller Bestand, wenn der Absatz so weiterläuft wie bisher. Du brauchst sie, um zu entscheiden, wann du nachbestellst – bevor dir ein Artikel ausgeht oder Kapital sinnlos im Regal liegt.

Kennst du das? Ein Artikel läuft plötzlich gut, du bestellst nach – und drei Wochen später steht die halbe Palette still. Oder umgekehrt: Der Bestseller ist Freitagmittag leer, und die Lieferung kommt erst Dienstag. Beides ist am Ende eine Frage der Lagerreichweite. Wer sie im Blick hat, bestellt zum richtigen Zeitpunkt und nicht aus dem Bauchgefühl.

Die Lagerreichweite ist eine der ehrlichsten Kennzahlen im Lager. Sie sagt dir nicht, wie viel du verkauft hast, sondern wie lange dein Vorrat noch hält. Genau das ist die Information, die du für die nächste Bestellung brauchst.

Lagerreichweite Formel: Bestand geteilt durch Tagesverbrauch ergibt 15 Tage
Die Formel auf einen Blick – Bestand geteilt durch den durchschnittlichen Tagesverbrauch ergibt die Reichweite in Tagen.

Wie berechnest du die Lagerreichweite?

Die Formel ist simpel:

Lagerreichweite (in Tagen) = aktueller Bestand ÷ durchschnittlicher Tagesverbrauch

Der durchschnittliche Tagesverbrauch ist der Knackpunkt. Nimm nicht den Absatz von gestern – der war vielleicht ein Ausreißer. Sinnvoll ist ein Zeitraum, der dein Geschäft abbildet: bei stabilen Sortimenten 30 Tage, bei saisonaler Ware eher 14 oder 90 Tage, je nachdem, was du wissen willst.

Durchgerechnetes Beispiel

Nehmen wir einen Artikel, der im Schnitt 40 Stück pro Tag verkauft wird. Aktuell liegen 600 Stück im Regal.

SchrittRechnungErgebnis
Tagesverbrauch ermitteln1.200 Stück in 30 Tagen ÷ 3040 Stück/Tag
Bestand ablesenaktueller Lagerbestand600 Stück
Reichweite berechnen600 ÷ 4015 Tage
Lieferzeit gegenrechnen15 Tage − 7 Tage Lieferzeit8 Tage Puffer

Der Artikel reicht also 15 Tage. Wenn dein Lieferant sieben Tage braucht, hast du noch acht Tage Luft – genug, um in Ruhe zu bestellen. Bei zehn Tagen Lieferzeit blieben nur noch fünf Tage Puffer – dann solltest du zügig bestellen.

Sonderfall: unregelmäßiger Absatz

Bei Artikeln, die nur sporadisch gekauft werden, funktioniert der einfache Durchschnitt schlecht. Beispiel: Ein Produkt wird 30-mal im Monat verkauft, aber alle Verkäufe fallen auf zwei Tage. Der Durchschnitt ergibt 1 Stück pro Tag – bei 10 Stück im Regal also rechnerisch 10 Tage Reichweite. Tatsächlich kann ein einziger Verkaufsschub den Bestand an einem Tag leeren, oder er bleibt wochenlang unberührt. Hier hilft ein gleitender Durchschnitt über einen längeren Zeitraum oder du arbeitest mit Mindestbestand statt mit Reichweite.

15 TageReichweite im Beispiel oben
8 TagePuffer nach Abzug der Lieferzeit
30 Tagetypischer Betrachtungszeitraum für den Verbrauch

Wie interpretierst du das Ergebnis?

Die Zahl allein sagt wenig. Erst im Vergleich mit deiner Lieferzeit und deinem Sicherheitsbestand wird sie nützlich. Eine einfache Ampel hilft:

  • Grün: Reichweite liegt deutlich über Lieferzeit plus Sicherheitspuffer. Alles entspannt, kein Handlungsbedarf.
  • Gelb: Reichweite nähert sich der Lieferzeit. Jetzt bestellen, sonst wird es eng.
  • Rot: Reichweite ist kürzer als die Lieferzeit. Ohne Gegenmaßnahme ist der Artikel ausverkauft, bevor die Nachlieferung eintrifft.

Wichtig: Die Ampel-Schwellen legst du selbst fest. Ein Artikel mit 60 Tagen Reichweite kann trotzdem kritisch sein, wenn die Ware vorher abläuft. Und ein Langsamdreher mit 200 Tagen Reichweite ist vielleicht völlig okay, weil er nie ausläuft.

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Tipp aus der Praxis

Rechne die Lieferzeit immer mit ein – und zwar die realistische, nicht die vom Lieferanten versprochene. In der Praxis ist die tatsächliche Wiederbeschaffungszeit oft länger als angegeben, etwa durch Versand, Wareneingang und Einlagerung. Plane diesen Puffer ein, sonst ist deine Ampel dauerhaft zu optimistisch.

Lagerreichweite und Lagerdauer – wo ist der Unterschied?

Die beiden werden gern verwechselt, sind aber nicht dasselbe:

KennzahlFrageBlickrichtung
LagerreichweiteWie lange reicht der Bestand noch?nach vorne (Zukunft)
LagerdauerWie lange liegt Ware schon im Lager?nach hinten (Vergangenheit)

Die Lagerdauer ist eine Rückschau: Sie zeigt, wie lange ein Artikel durchschnittlich im Lager liegt, bevor er verkauft wird. Die Lagerreichweite ist ein Ausblick: Sie schätzt, wie lange der aktuelle Bestand noch reicht. Beide ergänzen sich – die Lagerumschlagshäufigkeit wiederum sagt dir, wie oft sich dein Bestand im Jahr dreht.

So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um

Für eine verlässliche Reichweite brauchst du vor allem einen stimmenden Bestand. In beeShip siehst du in der Artikelübersicht den aktuellen Bestand je Artikel, verteilt auf die Lagerplätze. Im Lieferanten-Modul behältst du offene Bestellungen und Wareneingänge im Blick – Fortschrittsbalken zeigen, was angekommen und was schon eingelagert ist. Nutzt du Billbee, werden die Bestände dort bei Wareneingang automatisch aktualisiert. Mehr zu den Auswertungen findest du unter Reporting.

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Typische Rechenfehler

Diese Stolpersteine sehen wir bei Händlern immer wieder:

  1. Falscher Zeitraum: Nur die letzten sieben Tage zu nehmen, verzerrt bei Saisonware das Bild massiv.
  2. Lieferzeit vergessen: Die nackte Reichweite ohne Wiederbeschaffungszeit ist nur die halbe Wahrheit.
  3. Reservierte Ware mitzählen: Bestände, die schon für Bestellungen reserviert sind, stehen nicht mehr zum Verkauf. Rechne mit dem verfügbaren Bestand.
  4. Ausreißer einrechnen: Ein Großauftrag bläht den Tagesverbrauch auf. Klammere Sonderfälle aus oder rechne sie separat.
  5. Einmal rechnen und vergessen: Die Reichweite ändert sich mit jedem Verkauf. Ohne regelmäßige Aktualisierung ist die Zahl schnell veraltet.

Ein ehrlicher Tipp: Verlass dich nicht auf eine einzelne Zahl. Die Lagerreichweite ist ein Frühwarnsystem, kein Orakel. Kombiniere sie mit dem Meldebestand und einem Blick auf die tatsächlichen Bestellungen – dann triffst du Entscheidungen, die auch bei unerwarteten Schwankungen halten.

Ampel-Diagramm zur Lagerreichweite mit grün, gelb und rot für Nachbestellungen
Ampel für die Nachbestellung – Vergleiche die Reichweite mit der Lieferzeit – dann siehst du sofort, ob Handlungsbedarf besteht.

Häufige Fragen zur Lagerreichweite

Was ist der Unterschied zwischen Lagerreichweite und Meldebestand?

Die Lagerreichweite ist eine Kennzahl in Tagen. Der Meldebestand ist eine konkrete Stückzahl, bei der du nachbestellen solltest. Der Meldebestand lässt sich aus der Reichweite ableiten: Tagesverbrauch × Lieferzeit plus Sicherheitsbestand.

Welchen Zeitraum sollte ich für den Tagesverbrauch nehmen?

Das hängt von deinem Sortiment ab. Bei stabilen Artikeln reichen 30 Tage, bei saisonaler Ware eher 14 oder 90 Tage. Wichtig ist, dass der Zeitraum repräsentativ ist und keine Extremereignisse ungefiltert einfließen.

Was mache ich bei stark schwankendem Absatz?

Nutze einen gleitenden Durchschnitt oder arbeite mit Mindest- und Sicherheitsbeständen. Bei sehr unregelmäßigen Artikeln ist die Reichweite nur begrenzt aussagekräftig – dann hilft ein Blick auf die tatsächlichen Bestellmuster mehr.

Muss ich die Lagerreichweite rechtlich beachten?

Nein, die Lagerreichweite ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, keine gesetzliche Vorgabe. Bei Pflichten rund um Lagerung, MHD oder Kennzeichnung gilt: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

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