Liefertreue: Kennzahl für zuverlässige Lieferungen
Liefertreue misst, wie oft du oder dein Lieferant termingerecht lieferst. Formel, durchgerechnetes Beispiel, OTIF, typische Rechenfehler und wie du die Kennzahl im Lageralltag nutzt.

Inhaltsverzeichnis
- Liefertreue beim Lieferanten berechnen
- Liefertreue im eigenen Versand berechnen
- OTIF – wenn Termin allein nicht reicht
- Wie interpretierst du das Ergebnis?
- Typische Rechenfehler
- Liefertreue und Sicherheitsbestand hängen zusammen
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Häufige Fragen zu Liefertreue
Die Liefertreue ist der Anteil der Lieferungen, die innerhalb des zugesagten Termins beim Empfänger eintreffen. Sie wird als Prozentwert aus termingerechten Lieferungen geteilt durch alle Lieferungen berechnet.
Liefertreue ist eine der ehrlichsten Kennzahlen im Lager: Sie sagt dir schwarz auf weiß, wie oft du oder dein Lieferant den zugesagten Termin tatsächlich getroffen habt. Kein Bauchgefühl, keine Ausreden – nur eine Zahl, die du jeden Monat neu berechnen kannst.
Ein typisches Bild: Der Lieferant meldet „versandt“, die Ware kommt drei Tage später, der Kunde schreibt eine böse Mail. Oder umgekehrt – im eigenen Versand rutschen Bestellungen durch, weil ein Artikel plötzlich nicht auffindbar war. Liefertreue macht solche Fälle sichtbar, statt sie einzeln wegzuerklären.
Liefertreue = termingerechte Lieferungen ÷ alle Lieferungen × 100
Du brauchst dafür nur zwei Zahlen: die Gesamtzahl der Lieferungen im Zeitraum und die Anzahl derer, die im zugesagten Fenster ankamen. Alles andere ist Interpretation.
Die Kennzahl funktioniert in beide Richtungen. Für deinen Lieferanten misst sie, ob er hält, was er verspricht. Für deinen eigenen Versand misst sie, ob du hältst, was du dem Kunden versprochen hast.
Liefertreue beim Lieferanten berechnen
Bei Lieferanten zählt der Wareneingang, nicht der Versandtag. Eine Sendung, die „gestern rausgegangen“ ist, aber erst nächste Woche ankommt, ist nicht termingerecht. Der zugesagte Termin steht in der Bestellung oder Auftragsbestätigung – daran misst du.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Du hast im Monat 40 Bestellungen bei einem Lieferanten ausgelöst. 34 davon kamen im zugesagten Fenster an, 6 zu spät.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Alle Lieferungen zählen | 40 Bestellungen im Monat | 40 |
| Termingerechte Lieferungen zählen | 34 im zugesagten Fenster angekommen | 34 |
| Verhältnis bilden | 34 ÷ 40 | 0,85 |
| In Prozent umrechnen | 0,85 × 100 | 85 % |
85 % Liefertreue heißt: 15 % der Lieferungen, also rund jede siebte, kamen zu spät. Ob das gut oder schlecht ist, hängt von deinem Geschäft ab – dazu unten mehr.
Liefertreue im eigenen Versand berechnen
Im eigenen Versand ist der Maßstab der zugesagte Liefertermin gegenüber dem Kunden, nicht der Tag, an dem das Paket das Lager verlassen hat. Ein Paket, das pünktlich rausging, aber zwei Tage im Depot lag, ist nicht termingerecht angekommen.
Beispiel: 500 Bestellungen im Monat, 470 davon innerhalb der zugesagten Frist zugestellt.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Alle Sendungen zählen | 500 Bestellungen im Monat | 500 |
| Termingerecht zugestellt | 470 innerhalb der Frist angekommen | 470 |
| Verhältnis bilden | 470 ÷ 500 | 0,94 |
| In Prozent umrechnen | 0,94 × 100 | 94 % |
OTIF – wenn Termin allein nicht reicht
Liefertreue sagt nur etwas über den Zeitpunkt. OTIF (On Time In Full) verknüpft zwei Bedingungen: termingerecht und vollständig. Eine Lieferung, die pünktlich kommt, aber drei Artikel weniger enthält, zählt bei OTIF als Fehlschlag.
Die Formel lautet entsprechend:
OTIF = (termingerechte und vollständige Lieferungen) ÷ alle Lieferungen × 100
Für Händler mit knappen Beständen ist OTIF oft die ehrlichere Kennzahl. Wenn du eine Kampagne fährst und der Lieferant liefert 90 % pünktlich, aber jede zweite Sendung unvollständig, hilft dir die reine Liefertreue wenig.
Definiere vorher, was „vollständig“ heißt. Zählt eine Teillieferung mit Nachlieferung als vollständig oder nicht? Ohne diese Festlegung diskutierst du jeden Monat neu – und die Kennzahl wird wertlos.
Wie interpretierst du das Ergebnis?
Eine Zahl allein sagt nichts. Wichtiger ist die Frage: Was bedeutet sie für dein Geschäft? Die folgenden Bereiche sind eine grobe Orientierung aus der Praxis, keine feste Norm – dein Maßstab ist das, was du Kunden und Lieferanten zusagst.
- Über 95 %: meist solide. Einzelne Ausreißer sind normal, ein Muster solltest du trotzdem suchen.
- 90–95 %: im grünen Bereich, aber mit Luft nach oben. Schau, ob sich Verspätungen auf einzelne Lieferanten oder Produkte konzentrieren.
- 80–90 %: du hast regelmäßig Kunden, die auf ihre Ware warten. Das kostet Vertrauen und kann zu Stornos und Retouren führen.
- Unter 80 %: hier läuft vermutlich etwas strukturell schief – Sortiment, Lieferant oder eigener Prozess.
Wichtig: Liefertreue ist eine Durchschnittszahl. Ein Lieferant mit 90 % kann zwei völlig verschiedene Realitäten haben – entweder jede zehnte Lieferung ist zwei Tage zu spät, oder jede zehnte Lieferung kommt gar nicht. Schau dir deshalb immer auch die Verteilung der Verspätungen an, nicht nur den Prozentsatz.
Typische Rechenfehler
Diese Stolpersteine tauchen in der Praxis immer wieder auf:
- Versandtag mit Ankunftstag verwechseln. Der Lieferant meldet „versandt“, du zählst das als termingerecht. Der Kunde sieht nur das Paket – und das kam zu spät.
- Zugesagten Termin nicht dokumentieren. Ohne festgehaltenen Termin kannst du nicht messen. Der Termin muss in der Bestellung oder Auftragsbestätigung stehen.
- Teillieferungen doppelt zählen. Wenn eine Bestellung in drei Paketen kommt, ist das eine Lieferung oder drei? Leg das vorher fest.
- Stornos mitzählen. Eine stornierte Bestellung ist keine verspätete Lieferung. Sie gehört aus der Grundgesamtheit heraus.
- Nur auf den Monat schauen. Ein einzelner guter Monat sagt nichts. Vergleiche mindestens drei Monate, besser ein rollierendes Quartal.
- Lieferant und eigener Versand in einen Topf werfen. Das sind zwei völlig verschiedene Prozesse mit unterschiedlichen Ursachen.
Ein ehrlicher Tipp mit Haltung: Fang mit einer einfachen Tabelle an, nicht mit einem Dashboard. Drei Spalten – Bestellung, zugesagter Termin, tatsächlicher Wareneingang – reichen für den Anfang. Wer zuerst das perfekte Reporting baut, misst am Ende nie.
Liefertreue und Sicherheitsbestand hängen zusammen
Eine niedrige Liefertreue ist nicht automatisch ein Grund, den Lieferanten zu wechseln – sie ist aber immer ein Grund, deinen Sicherheitsbestand zu prüfen. Wenn dein Lieferant regelmäßig zu spät kommt, brauchst du mehr Puffer, um Lieferausfälle beim Kunden abzufedern. Wie du diesen Puffer berechnest, steht in unserem Beitrag zum Sicherheitsbestand.
Umgekehrt gilt: Eine hohe Liefertreue erlaubt dir, weniger Kapital im Lager zu binden. Die Kennzahl ist also kein Selbstzweck, sondern eine Steuerungsgröße für deine Bestandsplanung.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
In beeShip pflegst du Lieferanten und Bestellungen zentral. Jede Bestellung hat einen Status – von Entwurf über Bestellt und Teilweise erhalten bis Vollständig erhalten oder Storniert. Im Wareneingang erfasst du, was tatsächlich angekommen ist, und siehst in der Protokollansicht zwei Fortschrittsbalken: einen für den Empfang und einen für die Einlagerung. Ein statistisches Dashboard zeigt dir Kennzahlen wie Gesamtbestellungen, offene Lieferungen und Gesamtwert.
Für die Liefertreue ist das der entscheidende Punkt: Pro Lieferantenbestellung hältst du Bestelldatum und erwartetes Lieferdatum fest, beim Wareneingang das tatsächliche Eingangsdatum und die gelieferte Menge. Damit hast du Termin und Vollständigkeit an einer Stelle, statt sie aus Mails und Lieferscheinen zusammenzusuchen. Mehr dazu auf der Seite Lieferantenmanagement und im Bereich Wareneingang.
Wenn du über Billbee angebunden bist, werden die Bestände bei Wareneingang automatisch aktualisiert – inklusive Herkunftsdaten, Benutzer und Zeitstempel. So bleibt die Bestandsführung konsistent, und du kannst dich auf die Auswertung konzentrieren statt auf die Datensammlung.
Häufige Fragen zu Liefertreue
Was ist der Unterschied zwischen Liefertreue und Lieferzeit?
Die Lieferzeit ist die Dauer vom Bestell- bis zum Lieferzeitpunkt. Die Liefertreue sagt, wie oft diese Dauer im zugesagten Fenster bleibt. Eine Lieferzeit von fünf Tagen kann also eine hohe oder eine niedrige Liefertreue haben – je nachdem, was versprochen war.
Welche Liefertreue ist gut?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Der Zielwert hängt von deinem Lieferversprechen, deiner Branche und deinem Sortiment ab. Wichtiger als der absolute Wert ist die Entwicklung über mehrere Monate.
Zählt eine verspätete Teillieferung als termingerecht?
Das legst du vorher fest. Sinnvoll ist: Eine Lieferung ist nur dann termingerecht, wenn sie im zugesagten Fenster und vollständig ankommt. Genau das misst OTIF. Wenn du das anders definierst, dokumentiere es, damit die Zahl vergleichbar bleibt.
Muss ich Liefertreue rechtlich erfassen?
Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht, diese Kennzahl zu erheben. Sie ist ein Steuerungsinstrument. Wenn du sie vertraglich mit Lieferanten vereinbarst, achte auf klare Definitionen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Wir bauen Lagersoftware für Onlinehändler und Fulfiller im DACH-Raum – damit dein Lager schneller, fehlerfreier und unabhängiger versendet.
Klingt nach deinem Lager?
Dann zeigen wir dir gern, wie andere Händler es mit beeShip lösen – ehrlich, konkret und ohne Verkaufsdruck.
- Verdopple deine Versandkapazität
- Bis zu 99,9 % weniger Versandfehler
- Plug & Play mit Billbee, Shopify & Co.