FEFO-Prinzip: Ware mit kurzem MHD zuerst entnehmen
FEFO heißt: Ware mit dem frühesten MHD zuerst entnehmen. Wie das im Lager funktioniert, worin der Unterschied zu FIFO liegt und welche Stolperfallen es gibt.

Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet FEFO genau?
- Warum reicht FIFO bei MHD-Artikeln nicht aus?
- MHD und Verbrauchsdatum – bitte nicht verwechseln
- Was heißt das rechtlich – und was nicht?
- Wie setzt du FEFO im Lager um?
- Warum Chargen der Schlüssel sind
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Was du mitnehmen kannst
- Häufige Fragen zum FEFO-Prinzip
Das FEFO-Prinzip (First Expired First Out) legt fest, dass im Lager zuerst die Ware mit dem frühesten Ablaufdatum entnommen wird – unabhängig davon, wann sie eingelagert wurde. Es ist ein Lagerprinzip, kein Gesetz.
- FEFO heißt: Ware mit dem frühesten MHD wird zuerst entnommen – nicht die, die zuerst kam.
- FEFO ist ein Lagerprinzip, kein Gesetz. Es hilft, Verluste zu senken und Kunden zufriedenzustellen.
- Ohne Chargen und MHD am Lagerplatz funktioniert FEFO nicht zuverlässig – die Daten müssen vorne an der Entnahme stehen.
Es ist Montag, kurz nach acht. Im Lager eines mittelständischen Onlinehändlers für Nahrungsergänzung steht eine Kommissioniererin vor zwei Kartons desselben Produkts. Der eine kam letzte Woche, MHD in vier Wochen. Der andere liegt seit drei Monaten, MHD in zwei Wochen. Sie greift zum neueren Karton, weil er vorne steht. Zwei Wochen später ist der ältere Karton abgelaufen – und wandert in die Entsorgung. Genau das soll das FEFO-Prinzip verhindern.
Diese Szene ist ein Beispiel, keine echte Firma. Aber sie passiert in ähnlicher Form in vielen Lagern. Und sie zeigt, worum es beim FEFO-Prinzip geht: Die Ware mit dem frühesten Ablaufdatum muss zuerst raus – nicht die, die zuerst eingelagert wurde.
Was bedeutet FEFO genau?
FEFO steht für First Expired First Out. Auf Deutsch: Was zuerst abläuft, geht zuerst raus. Die Entnahme richtet sich also nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) – nicht nach dem Eingangsdatum.
Das klingt banal, hat aber Konsequenzen. Denn in einem Lager liegen oft mehrere Chargen desselben Artikels mit unterschiedlichem MHD. Wer nur nach „wer kam zuerst“ sortiert, also nach FIFO (First In First Out), kann trotzdem Ware verfallen lassen – nämlich dann, wenn eine später eingelagerte Charge ein früheres MHD hat.
FEFO und FIFO sind also nicht dasselbe. FIFO ist eine Reihenfolge nach Zeitpunkt des Zugangs. FEFO ist eine Reihenfolge nach Ablaufdatum. In der Praxis werden beide kombiniert: FEFO bestimmt, welche Charge entnommen wird, FIFO hilft bei der Lagerplatzorganisation.
Warum reicht FIFO bei MHD-Artikeln nicht aus?
Nehmen wir an, du verkaufst Proteinriegel. Lieferung A kommt im Januar mit MHD August. Lieferung B kommt im März mit MHD Juni. Nach FIFO würdest du zuerst Lieferung A entnehmen. Nach FEFO müsstest du zuerst Lieferung B entnehmen, weil sie früher abläuft.
Wenn du nur nach FIFO arbeitest, bleibt Lieferung B liegen – und läuft im Juni ab, während Lieferung A noch bis August haltbar ist. Ergebnis: Abschreibung, Entsorgung, verlorene Marge. Genau das wollen wir vermeiden.
Deshalb ist FEFO für alle Artikel mit Ablaufdatum die bessere Wahl. Typische Warengruppen:
- Lebensmittel und Getränke
- Nahrungsergänzungsmittel
- Kosmetik und Körperpflege
- Tiernahrung und Tierbedarf
- Bestimmte Medizinprodukte
Bei diesen Produkten ist das MHD oft das entscheidende Kriterium für die Verkaufsfähigkeit.
MHD und Verbrauchsdatum – bitte nicht verwechseln
Hier stolpern viele. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt: Bis dahin behält das Produkt bei richtiger Lagerung seine Eigenschaften. Danach ist es nicht automatisch schlecht – es kann aber Qualität verlieren.
Das Verbrauchsdatum dagegen ist eine harte Grenze. Ware mit überschrittenem Verbrauchsdatum darf nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Das regelt Art. 24 der Lebensmittelinformationsverordnung (VO (EU) 1169/2011) – nachzulesen auf eur-lex.europa.eu. Auf der Verpackung steht dann „zu verbrauchen bis“ statt „mindestens haltbar bis“.
Für FEFO heißt das: MHD-Ware darf nach Ablauf grundsätzlich noch verkauft werden, wenn sie einwandfrei ist – die Verantwortung für den Zustand liegt dann aber bei dir als Händler. Viele Händler sortieren sie deshalb vorher aus oder verkaufen sie gezielt und gekennzeichnet ab. Bei Verbrauchsdatum-Ware ist mit Ablauf Schluss. Deshalb sollte dein WMS beide Datumsarten unterscheiden können.
Pflege MHD und Verbrauchsdatum als getrennte Felder. Wer beides in ein Feld schreibt, verliert die Kontrolle – und riskiert, dass Ware mit Verbrauchsdatum zu spät aussortiert wird.
Was heißt das rechtlich – und was nicht?
FEFO selbst ist kein Gesetz. Es gibt keine Vorschrift, die sagt: „Du musst nach MHD entnehmen.“ FEFO ist eine betriebswirtschaftliche Praxis, die sich bewährt hat.
Rechtliche Pflichten entstehen an anderen Stellen: zum Beispiel aus dem Lebensmittelrecht, aus der Produkthaftung oder aus Verträgen mit Lieferanten und Kunden. Wenn du Lebensmittel verkaufst, musst du dafür sorgen, dass sie zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens sicher sind. Wie du das im Lager organisierst, bleibt dir überlassen – FEFO ist eine Möglichkeit.
Und Achtung: FIFO und LIFO als Bewertungsverfahren für Vorräte sind etwas ganz anderes. Handelsrechtlich sind beide zulässig (§ 256 HGB). Steuerlich ist als Verbrauchsfolgeverfahren nur LIFO erlaubt (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG). Das hat nichts mit der physischen Entnahme im Lager zu tun – auch wenn die Begriffe gleich klingen.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Wie setzt du FEFO im Lager um?
FEFO funktioniert nur, wenn drei Dinge zusammenkommen: saubere Daten, klare Regeln und eine Entnahme, die die Regeln auch befolgt.
Der wichtigste Punkt ist Schritt 1. Ohne MHD am Artikel kein FEFO. Und ohne Chargennummer keine saubere Trennung.
Warum Chargen der Schlüssel sind
Eine Charge ist eine Menge, die unter gleichen Bedingungen hergestellt wurde – und deshalb in der Regel ein einheitliches MHD hat. Bekommst du zwei Lieferungen desselben Produkts mit unterschiedlichem MHD, stammen sie aus unterschiedlichen Chargen.
FEFO ohne Chargen ist wie ein Kalender ohne Datum. Du weißt, dass etwas abläuft, aber nicht, welches Stück zuerst. Deshalb gehört zu einer FEFO-Strategie in der Praxis fast immer eine Chargenverwaltung.
In der Praxis heißt das: Beim Wareneingang wird die Charge erfasst, das MHD zugeordnet und der Lagerplatz entsprechend gewählt. Bei der Kommissionierung wird dann gezielt die Charge mit dem frühesten MHD entnommen. Das klingt nach Aufwand, ist aber Routine – wenn die Prozesse stehen.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
beeShip hat eine MHD-Verwaltung, die genau hier ansetzt. Du findest sie unter Einstellungen → MHD Management. Sie zeigt dir alle Artikel mit erfasstem MHD – mit Status: abgelaufen, kritisch (≤ 7 Tage), Warnung (8–30 Tage) und OK.
Du kannst nach Zeiträumen filtern (vordefiniert oder benutzerdefiniert), nach Lagerort suchen und nach Artikelname, SKU, EAN oder Chargennummer. Pro Artikel siehst du Lagerort, verfügbare Menge, Chargennummer, Ablaufdatum und verbleibende Tage. Für Berichte gibt es einen CSV-Export.
Chargennummer und MHD erfasst dein Team schon beim Wareneingang in der mobilen App. Über die App passt du Bestände direkt am Lagerplatz an, buchst abgelaufene Artikel aus und lagerst Ware um, damit FIFO und FEFO im Regal funktionieren. Mehr zur Chargenverwaltung findest du unter Chargennummern-Verwaltung, speziell für Lebensmittelhändler unter WMS für Lebensmittel mit MHD-Tracking.
Das ersetzt kein FEFO-Konzept, aber es macht die Daten sichtbar, die du dafür brauchst. Wer sein MHD-Management sauber aufsetzt, kann FEFO im Alltag leben – statt es nur auf einem Poster hängen zu haben.
Was du mitnehmen kannst
- FEFO heißt: frühestes MHD zuerst entnehmen – nicht die älteste Einlagerung.
- FEFO ist Praxis, kein Gesetz. MHD und Verbrauchsdatum sind rechtlich unterschiedlich.
- Ohne Chargen und MHD-Daten am Lagerplatz bleibt FEFO Theorie.
„FEFO ist kein Software-Feature, sondern eine Haltung: Wer zuerst abläuft, geht zuerst raus. Die Software hilft nur, sie zu leben.“
Team beeShip
Häufige Fragen zum FEFO-Prinzip
Was ist der Unterschied zwischen FEFO und FIFO?
FIFO entnimmt nach Eingangsdatum (wer zuerst kam, geht zuerst). FEFO entnimmt nach Ablaufdatum (was zuerst abläuft, geht zuerst). Bei MHD-Artikeln ist FEFO meist die bessere Wahl, weil es Verluste reduziert.
Ist FEFO gesetzlich vorgeschrieben?
Nein. FEFO ist ein Lagerprinzip, keine gesetzliche Pflicht. Rechtliche Anforderungen ergeben sich aus anderen Regelungen, etwa dem Lebensmittelrecht. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Was ist der Unterschied zwischen MHD und Verbrauchsdatum?
Das MHD sagt, bis wann ein Produkt bei richtiger Lagerung seine Eigenschaften behält. Das Verbrauchsdatum ist eine harte Grenze: Ware danach darf nicht mehr in Verkehr gebracht werden (Art. 24 VO (EU) 1169/2011).
Brauche ich für FEFO eine Chargenverwaltung?
In der Praxis ja. Ohne Chargen kannst du nicht sauber trennen, welche Ware welches MHD hat. Die Chargennummer ist die Verbindung zwischen Produkt, MHD und Lagerplatz.
Gilt FEFO auch für Kosmetik und Nahrungsergänzung?
Ja, überall dort, wo ein Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung steht. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und tragen ein MHD. Für Kosmetik gelten eigene Kennzeichnungsregeln (VO (EG) 1223/2009) – die Logik bleibt gleich: frühestes Datum zuerst.
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