Incoterms: Welche Klausel du für welchen Versand brauchst
DAP oder DDP in die Schweiz? Incoterms 2020 entscheiden, wer Zoll, Steuern und Risiko trägt. Vergleich aller 11 Klauseln plus Empfehlung für Onlinehändler.

Inhaltsverzeichnis
- Was sind Incoterms 2020 – und was regeln sie nicht?
- Die elf Klauseln im Überblick
- DAP vs. DDP – der Klassiker beim Versand in die Schweiz und nach UK
- Schweiz und UK: warum die Klausel hier doppelt zählt
- Für wen passt was?
- Incoterms im Shop und in der Versandabwicklung
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Häufige Fragen zu Incoterms
Incoterms sind international anerkannte Handelsklauseln der ICC, die festlegen, wer im internationalen Warenverkehr Kosten, Gefahrübergang und Pflichten trägt – etwa Verpackung, Transport, Zollabfertigung und Versicherung.
- Incoterms 2020 regeln, wer beim internationalen Versand Kosten, Risiko und Zollpflichten trägt – elf Klauseln, vier Gruppen (E, F, C, D).
- Für Onlinehändler sind DAP und DDP die praktisch relevantesten Klauseln – besonders beim Versand in die Schweiz und nach UK.
- Checkout, Rechnung und Zolldaten müssen zur gewählten Lieferbedingung passen – sonst drohen Nachzahlungen beim Kunden und Verzögerungen beim Zoll.
Du stehst vor der Wahl: Ein Kunde aus Zürich bestellt, ein zweiter aus Manchester. Beide erwarten ein Paket wie aus Deutschland – nichts mit Zollformularen, nichts mit Nachzahlungen. Genau hier kommen die Incoterms ins Spiel. Sie entscheidet, wer Zoll, Steuern und Risiko trägt – und ob dein Kunde am Ende an der Haustür zur Kasse gebeten wird.
Ein typisches Szenario: Der Versand läuft, die Sendung kommt an – und dann kommt die Beschwerde-Mail, weil der Kunde an der Tür Einfuhrabgaben nachzahlen musste. Kein Fehler der Post, kein Fehler des Kunden, sondern eine unklare oder falsch gewählte Lieferbedingung. Wer DAP versendet, aber DDP verspricht, hat ein Problem. Wer umgekehrt DDP versendet, ohne die Steuern einkalkuliert zu haben, zahlt drauf.
Was sind Incoterms 2020 – und was regeln sie nicht?
Incoterms steht für „International Commercial Terms“. Sie werden von der Internationalen Handelskammer (ICC) herausgegeben, die aktuelle Fassung ist Incoterms 2020. In Deutschland informieren dazu unter anderem die IHKs. Gedacht sind sie vor allem für Verträge zwischen Unternehmen; im Paketversand an Privatkunden tauchen DAP und DDP aber als Begriffe bei Carriern und Zolldaten auf. Die Klauseln legen vor allem fest:
- Wo die Ware übergeben wird und wann das Risiko auf den Käufer übergeht (Gefahrübergang).
- Wer Transport und Verladung organisiert und bezahlt – und bei CIF und CIP, wer die Ware versichert.
- Wer Export- und Importabfertigung übernimmt.
- Wer Zölle, Einfuhrabgaben und Steuern trägt.
Was sie nicht regeln: Eigentumsübergang, Zahlungsbedingungen, anwendbares Recht, Gewährleistung oder das Widerrufsrecht. Das Widerrufsrecht mit 14 Tagen Frist gilt übrigens nur für Verbraucher (§ 355 BGB) – im B2B-Versand also nicht. Und Incoterms sind kein Gesetz, sondern eine vertragliche Vereinbarung. Wer sie nicht ausdrücklich einbezieht, hat sie nicht.
Die elf Klauseln im Überblick
Die Klauseln sind in vier Gruppen sortiert. Merksatz: In der Reihenfolge E – F – C – D wandern immer mehr Pflichten zum Verkäufer.
| Klausel | Gruppe | Übergabe | Transport | Versicherungspflicht | Import-Zoll/Steuern |
|---|---|---|---|---|---|
| EXW | E | Werk/Lager des Verkäufers | Käufer | keine | Käufer |
| FCA | F | Frachtführer | Käufer | keine | Käufer |
| FAS | F | Schiff längsseits | Käufer | keine | Käufer |
| FOB | F | An Bord | Käufer | keine | Käufer |
| CPT | C | Frachtführer | Verkäufer | keine | Käufer |
| CIP | C | Frachtführer | Verkäufer | Verkäufer (erweiterte Deckung) | Käufer |
| CFR | C | An Bord | Verkäufer | keine | Käufer |
| CIF | C | An Bord | Verkäufer | Verkäufer (Mindestdeckung) | Käufer |
| DAP | D | Bestimmungsort | Verkäufer | keine (Risiko bis Ziel beim Verkäufer) | Käufer |
| DPU | D | Entladen am Ziel | Verkäufer | keine (Risiko bis Ziel beim Verkäufer) | Käufer |
| DDP | D | Bestimmungsort, verzollt | Verkäufer | keine (Risiko bis Ziel beim Verkäufer) | Verkäufer |
Die See-Klauseln FAS, FOB, CFR und CIF spielen für Paketversender kaum eine Rolle. Im E-Commerce begegnen dir vor allem EXW, FCA, DAP und DDP. „Keine“ Versicherungspflicht heißt: Keine Seite muss versichern – wer das Transportrisiko trägt, sichert sich in der Praxis oft trotzdem ab.
DAP vs. DDP – der Klassiker beim Versand in die Schweiz und nach UK
Beide Klauseln klingen ähnlich: Der Verkäufer liefert bis zum Zielort. Der Unterschied liegt in der Zollabfertigung.
DAP – Delivered at Place
- Vorteil: Du lieferst bis zur Adresse, der Kunde muss sich nicht um Transport kümmern.
- Vorteil: Einfacher kalkulierbar, weil du Einfuhrabgaben nicht vorstreckst.
- Nachteil: Der Kunde wird vom Zoll oder Carrier zur Kasse gebeten – oft unerwartet.
- Nachteil: Verweigert der Kunde die Annahme, geht die Ware zurück – die Kosten dafür bleiben oft an dir hängen.
DDP – Delivered Duty Paid
- Vorteil: Der Kunde bekommt das Paket ohne Nachzahlung – das beste Kauferlebnis.
- Vorteil: Weniger Support-Tickets wegen Zollfragen.
- Nachteil: Du musst Einfuhrumsatzsteuer und Zölle vorstrecken und korrekt abwickeln.
- Nachteil: Je nach Land brauchst du dafür eine steuerliche Registrierung, einen Steuer- bzw. Fiskalvertreter oder einen Dienstleister, der die Verzollung übernimmt.
Ein häufiger Widerspruch: Im Checkout steht „inkl. Zoll und Steuern“, verschickt wird aber DAP. Das sorgt für Ärger beim Kunden und Kosten bei dir. Entscheide dich – und zieh es konsequent durch.
Schweiz und UK: warum die Klausel hier doppelt zählt
Beide Länder sind für den Versand aus Deutschland Sonderfälle: Die Schweiz ist nicht in der EU, UK ist seit dem Brexit raus. Heißt: Jede Sendung ist eine Ausfuhr mit Zolldaten (bei Post- und Paketsendungen über CN22/CN23 bzw. die elektronische Zollanmeldung), im Zielland können Einfuhrabgaben anfallen, und als gewerblicher Versender brauchst du in der Regel eine EORI-Nummer.
Für die Schweiz gilt: Bei der Einfuhr wird Schweizer Mehrwertsteuer (Einfuhrsteuer) erhoben, geringe Beträge bleiben unberücksichtigt. Bei DAP zahlt der Kunde diese Abgaben (plus Gebühren des Carriers). Bei DDP trägst du sie – dafür brauchst du eine passende Registrierung oder einen Dienstleister, der die Verzollung für dich übernimmt.
Für UK gilt: Seit dem Brexit gibt es eigene Regeln, Schwellenwerte und ein eigenes VAT-System. Bei Sendungen an Privatkunden bis zu einem Warenwert von 135 £ wird die UK-VAT in der Regel schon beim Verkauf durch den Händler erhoben, der dafür in UK registriert sein muss. Darüber entscheidet die Klausel, wer die Abgaben trägt. Achte darauf, dass deine Zolldaten vollständig sind – Warenbeschreibung, Zolltarifnummer (HS-Code), Warenwert, Ursprungsland und, wo der Carrier es abfragt, die Lieferbedingung. Fehlt eine Angabe, kann die Sendung im Zoll hängen bleiben.
Für wen passt was?
Es gibt keine „beste“ Klausel. Es gibt nur die, die zu deinem Geschäftsmodell passt.
- Du verkaufst B2C in die Schweiz oder nach UK und willst ein reibungsloses Kauferlebnis? Dann ist DDP die konsequente Wahl – sofern du die steuerliche Abwicklung geregelt hast.
- Du verkaufst B2B oder an Kunden, die Zollprozesse kennen? DAP ist einfacher und günstiger für dich.
- Du versendest nur innerhalb der EU? Incoterms sind hier weniger kritisch – im EU-Binnenmarkt fallen keine Zölle an. Im B2B-Geschäft kann eine Klausel trotzdem sinnvoll sein, um Kosten und Gefahrübergang zu klären.
- Du verkaufst große Mengen an einen Großhändler, der selbst abholt? Dann passt EXW oder FCA.
Unser Tipp: Fang mit DAP an, wenn du neu im internationalen Versand bist. Sobald die Prozesse stehen und die steuerliche Seite geklärt ist, kannst du auf DDP wechseln – oder DDP nur für bestimmte Länder anbieten.
Incoterms im Shop und in der Versandabwicklung
Die Klausel ist kein Vertragsdokument für die Schublade. Sie gehört sichtbar in den Checkout, in die Auftragsbestätigung, in die Rechnung und in die Zolldaten des Versandlabels. Wenn dein Shop „inkl. Zoll“ verspricht, muss auch das Versandprodukt bzw. die Zollanmeldung auf DDP laufen. Sonst kommt der Kunde mit der Nachzahlung zu dir zurück.
Für den internationalen Versand lohnt sich ein Blick auf unsere Beiträge zum internationalen Versand mit Shopify und Zoll sowie zu den Integrationen von DHL und Deutsche Post. Dort findest du, wie Zolldaten im Label landen und was Carrier typischerweise erwarten.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
In beeShip legst du Versandregeln an, die beeShip automatisch beim Bestellungsimport oder spätestens am Packtisch ausgewertet werden. Eine Regel besteht aus Bedingungen (z. B. Zielland, Gewicht, Bestellsumme, Tag, Bestellquelle), einer Aktion (Versandanbieter und Versandprodukt setzen) und einer Priorität. So kannst du etwa festlegen: Bestellungen in die Schweiz bekommen automatisch das passende Versandprodukt, Bestellungen nach UK ein anderes. Mehrere Bedingungen werden mit UND verknüpft, die Priorität entscheidet bei Überschneidungen. Neue Regeln testest du am besten zuerst mit einer Beispielbestellung.
Bei der UPS-Integration wählst du für internationale Versandarten zusätzlich den Incoterm – DAP oder DDP. beeShip legt für jede Kombination ein eigenes Versandprodukt an, das du per Versandregel zuordnen kannst. Für Sendungen außerhalb der EU erzeugt beeShip mit dem UPS-Etikett automatisch die Handelsrechnung aus den Artikeln der Bestellung. Bei anderen Carriern hängt es vom jeweiligen Versandprodukt und deinem Vertrag ab, wie DAP und DDP abgebildet werden.
Häufige Fragen zu Incoterms
Was ist der Unterschied zwischen DAP und DDP?
Bei DAP trägt der Verkäufer den Transport bis zum Zielort, der Käufer übernimmt Einfuhrabgaben und Zoll. Bei DDP trägt der Verkäufer auch diese Kosten – der Käufer bekommt die Ware ohne Nachzahlung.
Welche Incoterms gelten aktuell?
Die Incoterms 2020 der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie lösen die Incoterms 2010 ab.
Muss ich Incoterms im Shop angeben?
Eine Pflicht, die Klausel selbst zu nennen, gibt es nicht. Sinnvoll ist sie im B2B-Geschäft in AGB, Auftragsbestätigung und Rechnung. Verkaufst du an Verbraucher, musst du aber über mögliche zusätzliche Kosten wie Zölle und Einfuhrabgaben informieren.
Kann ich DDP in die Schweiz überhaupt anbieten?
Nur mit der passenden steuerlichen und zollrechtlichen Abwicklung, etwa über eine Registrierung mit Steuervertreter oder einen Dienstleister. Ohne diese Voraussetzung ist DAP die praktikablere Wahl.
Was hat der Incoterm mit meinem Versandlabel zu tun?
Sehr viel. Die Lieferbedingung muss zu deinen Zolldaten und zum gewählten Versandprodukt passen, sonst kann die Sendung im Zoll hängen bleiben oder der Empfänger wird unerwartet zur Kasse gebeten.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte wende dich an Steuerberater, Zollagenten oder die IHK.
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