LexikonLager & Bestand 9 Min. Lesezeit

Lagerarten: Welche passt zu deinem Onlinehandel?

Lagerarten unterscheiden sich nach Funktion, Bauart und Betreiber. Der Vergleich zeigt, welche Lagerart zu deinem E-Commerce-Setup passt – mit Beispielen und Entscheidungshilfe.

Lagerarten im Vergleich: Funktion, Bauart und Betreiber
Inhaltsverzeichnis
  1. Die wichtigsten Lagerarten im Überblick
  2. Beschaffungslager vs. Zentrallager: Puffer oder Drehscheibe?
  3. Kommissionierlager: Herzstück des Versands
  4. Sperrlager und Konsignationslager: Sonderfälle mit Tücken
  5. Eigenlager oder Fremdlager? Die Betreiberfrage
  6. Bauarten: Regal, Block, Durchlauf – was passt?
  7. Für wen passt was? Klare Empfehlungen
  8. So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
  9. Mehrere Lagerorte? So behältst du den Überblick
  10. FIFO, LIFO und MHD: Was du im Lager beachten musst
  11. Häufige Fragen zu Lagerarten
Das Wichtigste vorab

Lagerarten sind die verschiedenen Formen, in denen Waren gelagert werden – unterschieden nach Funktion (z. B. Beschaffungs-, Kommissionier-, Sperrlager), Bauart (z. B. Regal, Block) und Betreiber (Eigen- oder Fremdlager).

Auch genannt: Lagerformen, Lagertypen, Lagerkategorien
Das Wichtigste in Kürze
  • Lagerarten unterscheiden sich nach Funktion, Bauart und Betreiber – die richtige Mischung hängt von Sortiment, Umschlag und Wachstum ab.
  • Viele Händler kombinieren mehrere Lagerarten: z. B. Zentral- plus Kommissionierlager, oder Eigen- plus Konsignationslager.
  • Die Lagerart bestimmt, wie du Prozesse, Software und Bestände organisierst – falsch gewählt kostet sie Zeit und Geld.

Welche Lagerarten gibt es – und welche passt zu deinem Onlinehandel? Eigenes Lager oder Fremdlager? Zentral oder dezentral? Und was hat es mit Sperr- und Konsignationslager auf sich? Diese Fragen stellen sich viele Onlinehändler, sobald das Lager aus allen Nähten platzt oder die Prozesse nicht mehr rund laufen.

Wir sprechen regelmäßig mit Händlern und Fulfillern, die genau an diesem Punkt stehen. Die gute Nachricht: Es gibt nicht die eine perfekte Lagerart. Es gibt nur die, die zu deinem Geschäftsmodell, deinem Sortiment und deinem Team passt. In diesem Beitrag schauen wir uns die wichtigsten Lagerarten an – nach Funktion, Bauart und Betreiber – und du bekommst eine klare Orientierung, wann was sinnvoll ist.

Lagerarten im Überblick: Funktion, Bauart und Betreiber mit Beispielen
Die drei Dimensionen der Lagerarten – Funktion, Bauart und Betreiber bestimmen, welche Lagerart zu dir passt.

Die wichtigsten Lagerarten im Überblick

Bevor wir ins Detail gehen: Lagerarten lassen sich aus drei Blickwinkeln sortieren. Funktion (welche Aufgabe hat das Lager?), Bauart (wie ist es gebaut?) und Betreiber (wer betreibt es?). In der Praxis überlagern sich diese Kategorien – ein Zentral­lager kann gleichzeitig ein Kommissionierlager sein und von einem Dienstleister betrieben werden.

Die folgende Tabelle gibt dir einen schnellen Überblick über die funktionalen Lagerarten, inklusive typischer E-Commerce-Beispiele:

LagerartHauptfunktionTypisches E-Commerce-BeispielHerausforderung
BeschaffungslagerPuffer für große LiefermengenEin Händler kauft 10.000 Hoodies in Asien ein und lagert sie bis zum VerkaufKapitalbindung, Platzbedarf
ZentrallagerBündelung aller Bestände an einem OrtEin Onlineshop mit 5.000 SKUs wickelt alles über eine Halle abLängere Wege zum Kunden
KommissionierlagerZusammenstellung von KundenaufträgenEin Händler pickt Bestellungen aus Regalen und packt sie versandfertigFehlerquote, Pickleistung
SperrlagerGetrennte Lagerung nicht verkaufsfähiger WareReklamierte Artikel warten auf Prüfung oder Rücksendung an LieferantPlatz, Übersicht
KonsignationslagerWare bleibt Eigentum des Lieferanten bis Verbrauch/VerkaufEin Lieferant stellt Ware ins Lager des Händlers; bezahlt wird erst, was entnommen oder verkauft wirdBestandsführung, Abrechnung

Diese fünf funktionalen Lagerarten sind die Grundbausteine. Dazu kommen Bauarten wie Bodenlager, Regallager, Blocklager oder automatisierte Kleinteilelager – und die Frage nach Eigen- oder Fremdlager. Schauen wir uns die wichtigsten Gegensätze genauer an.

Beschaffungslager vs. Zentrallager: Puffer oder Drehscheibe?

Das Beschaffungslager dient als Puffer zwischen Einkauf und Verkauf. Du kaufst große Mengen ein, lagerst sie zentral und entnimmst sie nach und nach. Das Zentrallager ist dagegen die Drehscheibe für alle Bestände – hier laufen alle Warenströme zusammen, egal ob aus eigener Produktion oder von Lieferanten.

Vorteile Beschaffungslager:

  • Mengenrabatte beim Einkauf lassen sich besser nutzen.
  • Unabhängigkeit von Lieferengpässen – du hast Ware auf Lager.
  • Günstigere Transportkosten bei großen Lieferungen.

Nachteile:

  • Hohe Kapitalbindung durch große Bestände.
  • Lagerkosten und Platzbedarf steigen.
  • Risiko von Überbeständen bei Sortimentswechsel.

Vorteile Zentrallager:

  • Alle Bestände an einem Ort – einfache Steuerung und Inventur.
  • Kürzere Wege für Kommissionierung und Versand.
  • Bessere Auslastung von Personal und Technik.

Nachteile:

  • Längere Lieferzeiten zu Kunden in entfernten Regionen.
  • Ein Standort muss alle Bestände aufnehmen – Wachstum braucht früh mehr Fläche.
  • Ausfallrisiko: Bei Störungen steht alles still.

Typischer Stolperstein: Viele Händler starten mit einem Beschaffungslager im Keller oder in der Garage und wundern sich, dass sie irgendwann keinen Platz mehr für die Kommissionierung haben. Dann wird aus dem einen Raum plötzlich ein Zwei-Zonen-Lager – notgedrungen.

Kommissionierlager: Herzstück des Versands

Im Kommissionierlager werden Kundenaufträge zusammengestellt. Hier zählt Geschwindigkeit und Genauigkeit. Die Lagerart kann als Regallager, Durchlaufregal oder chaotisches Lager organisiert sein. Letzteres bedeutet, dass Artikel keinen festen Platz haben, sondern dorthin kommen, wo gerade Platz ist – das spart Wege und Platz, erfordert aber eine zuverlässige Lagerverwaltung.

Vorteile Kommissionierlager:

  • Spezialisierung auf schnelle Auftragsabwicklung.
  • Optimierte Wege durch geeignete Lagerplatzstrategie.
  • Hohe Pickleistung bei guter Organisation.

Nachteile:

  • Fehlerquote steigt bei manueller Kommissionierung ohne System.
  • Hoher Personalbedarf in Stoßzeiten.
  • Platzbedarf für Verpackung und Versandvorbereitung.

Wenn du mehr über chaotische Lagerhaltung wissen willst, schau dir unseren Lexikonbeitrag dazu an: Chaotische Lagerhaltung.

Sperrlager und Konsignationslager: Sonderfälle mit Tücken

Das Sperrlager ist kein Lager im klassischen Sinn, sondern ein Bereich für Ware, die nicht verkauft werden darf – weil sie beschädigt, reklamiert oder für eine Prüfung vorgesehen ist. Hier zählt vor allem eines: klare Trennung vom verkaufsfähigen Bestand.

Vorteile Sperrlager:

  • Keine versehentliche Auslieferung fehlerhafter Ware.
  • Saubere Bestandsführung – du weißt, was blockiert ist.
  • Grundlage für Reklamationsbearbeitung.

Nachteile:

  • Zusätzlicher Platzbedarf.
  • Ohne System leicht zu verwechseln mit normalem Lager.
  • Kann bei schlechter Organisation zum „schwarzen Loch“ werden.

Das Konsignationslager ist ein Lager, in dem die Ware bis zum Verbrauch oder Verkauf Eigentum des Lieferanten bleibt. Die Ware liegt also in deinem Lager, gehört aber noch dem Lieferanten – du bezahlst erst, wenn du sie entnimmst. Das spart gebundenes Kapital, erfordert aber eine saubere Trennung und Abrechnung.

Vorteile Konsignationslager:

  • Geringere Kapitalbindung, da Ware erst bei Entnahme bezahlt wird.
  • Schnellere Verfügbarkeit von Artikeln.
  • Das Bestandsrisiko liegt – je nach Vertrag – ganz oder teilweise beim Lieferanten.

Nachteile:

  • Komplexere Bestandsführung und Abrechnung.
  • Abhängigkeit vom Lieferanten.
  • Vertragliche Regelungen notwendig (Eigentumsübergang, Haftung).

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Bei Fragen zu Eigentumsübergang oder steuerlicher Behandlung von Konsignationsware sprich bitte mit deinem Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Eigenlager oder Fremdlager? Die Betreiberfrage

Neben der Funktion spielt der Betreiber eine große Rolle. Beim Eigenlager mietest oder kaufst du eine Fläche und betreibst sie selbst. Beim Fremdlager (auch Fulfillment-Lager) lagerst du deine Ware bei einem Dienstleister, der Kommissionierung und Versand übernimmt.

Die Entscheidung hängt stark von deinem Sortiment, deinem Wachstum und deiner Risikobereitschaft ab. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du in unserem Beitrag Eigenlager vs. Fremdlager.

Bauarten: Regal, Block, Durchlauf – was passt?

Die Bauart bestimmt, wie Ware physisch gelagert wird. Die wichtigsten:

BauartBeschreibungVorteilNachteil
BodenlagerWare steht direkt auf dem Boden, oft in ReihenGünstig, flexibelGeringe Höhenausnutzung
RegallagerWare in Regalen, oft mit FachbödenGute Übersicht, hohe DichteHöhere Investition
BlocklagerWare wird gestapelt, ohne RegalePlatzsparend bei stapelbarer WareNur für bestimmte Artikel
DurchlaufregalWare rollt von hinten nach vornSchneller Zugriff, FIFO leicht gemachtBegrenzte Artikelvielfalt

Die Wahl der Bauart hängt von der Beschaffenheit deiner Artikel ab: Kleinteile brauchen Regale, schwere oder sperrige Güter eher Boden- oder Blocklager. Auch die Umschlagshäufigkeit spielt eine Rolle – schnell drehende Artikel sollten leicht erreichbar sein.

Für wen passt was? Klare Empfehlungen

Jetzt wird es konkret. Hier ist unsere Einschätzung, welche Lagerart zu welcher Situation passt – aus unserer Erfahrung mit Händlern.

  • Du startest gerade und hast wenig Kapital: Eigenlager in kleiner Fläche, kombiniert mit Beschaffungslager für Nachschub. Kommissionierung manuell, aber mit System.
  • Du wächst schnell und hast Platzprobleme: Zentral- plus Kommissionierlager, eventuell mit chaotischer Lagerhaltung, um Platz zu sparen.
  • Du hast viele Retouren: Richte ein separates Sperrlager ein, damit Retouren nicht den Verkauf blockieren.
  • Du willst dich auf Marketing konzentrieren: Fremdlager (Fulfillment) kann sinnvoll sein, besonders bei sperrigen oder schnell drehenden Artikeln.
  • Du arbeitest mit Lieferanten, die Ware vorfinanzieren: Konsignationslager prüfen – aber vertraglich sauber regeln.

Ein ehrlicher Tipp: Überlege nicht nur, was heute passt, sondern was in 12 Monaten passt. Lagerarten zu wechseln ist aufwendig. Wer von Anfang an auf Flexibilität setzt – z. B. mit modularen Regalsystemen und einer Lagerverwaltung, die mehrere Lagerorte abbilden kann – spart sich später viel Arbeit.

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So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um

Egal für welche Lagerarten du dich entscheidest: Eine Lagerverwaltung hilft dir, den Überblick zu behalten. In beeShip erfasst du pro Artikel beliebig viele Lagerorte mit Menge – zum Beispiel „A1-01-01“ oder „Halle 2 / Regal B“ – und siehst den Bestand pro Lager und Lagerort. Umlagerungen zwischen Lagerplätzen buchst du direkt im System, und auch Wareneingang und Inventur arbeiten mit diesen Lagerorten.

Über die Anbindungen an Shops und Billbee werden Bestandsänderungen übertragen, damit Shop und Lager zusammenpassen. Wie du Lagerplätze und gesperrte Ware gemeinsam mit Billbee organisierst, zeigt die Seite Lagerplätze und Sperrlager mit Billbee.

Mehrere Lagerorte? So behältst du den Überblick

Sobald du mehr als eine Lagerart nutzt, wird die Verwaltung komplexer. Vielleicht hast du ein eigenes Lager und lagerst zusätzlich Ware bei einem Fulfillment-Dienstleister. Oder du trennst Zentrallager, Kommissionierbereich und Sperrlager. Dann müssen Bestände synchronisiert und Aufträge je nach Verfügbarkeit gesteuert werden.

Für WooCommerce-Nutzer haben wir einen speziellen Beitrag: WooCommerce mit mehreren Lagern. Dort erklären wir, wie du mehrere Lagerstandorte in deinen Shop integrierst.

Ein häufiger Fehler: Händler führen Bestände in verschiedenen Systemen – Shop, Excel, Lagerverwaltung – und verlieren den Überblick. Die Folge sind Überverkäufe oder unnötige Bestellungen. Eine zentrale Lagerverwaltung löst dieses Problem.

FIFO, LIFO und MHD: Was du im Lager beachten musst

In der Lagerhaltung begegnen dir oft die Begriffe FIFO und LIFO. Wichtig: Unterscheide zwischen physischem Lagerprinzip und Bewertungsverfahren.

  • Physisches FIFO/FEFO: Ware, die zuerst kommt, wird zuerst entnommen (First In, First Out). Bei verderblicher Ware: FEFO (First Expired, First Out) – also nach Ablaufdatum. Das ist eine Lagerstrategie, keine Bewertungsmethode.
  • Bewertungsverfahren FIFO/LIFO: Handelsrechtlich sind beide zulässig (§ 256 HGB). Steuerrechtlich ist als Verbrauchsfolgeverfahren nur LIFO erlaubt (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG).

Bei Lebensmitteln ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) zu beachten. Nach Ablauf des MHD darf Ware grundsätzlich noch verkauft werden – du bist dann aber für ihren einwandfreien Zustand verantwortlich. Anders beim Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“): Nach dessen Ablauf darf das Produkt nicht mehr in Verkehr gebracht werden (VO (EU) 1169/2011, Art. 24).

Seriennummern sind nur in bestimmten Bereichen vorgeschrieben, z. B. im Rahmen der UDI-Kennzeichnung bestimmter Medizinprodukte oder bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (securPharm). Im normalen E-Commerce sind sie freiwillig, können aber die Rückverfolgbarkeit verbessern.

Häufige Fragen zu Lagerarten

Welche Lagerart ist die richtige für meinen Onlineshop?

Das hängt von deinem Sortiment, deiner Größe und deinem Wachstum ab. Für Einsteiger ist ein Eigenlager mit Kommissionierbereich oft sinnvoll. Wachsende Händler kombinieren Zentral- und Kommissionierlager. Wer sich auf Marketing konzentrieren will, kann ein Fremdlager nutzen.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenlager und Fremdlager?

Beim Eigenlager betreibst du das Lager selbst, beim Fremdlager lagerst du bei einem Dienstleister, der Kommissionierung und Versand übernimmt. Eigenlager bietet mehr Kontrolle, Fremdlager mehr Flexibilität und weniger operativen Aufwand.

Brauche ich ein Sperrlager?

Ein Sperrlager ist sinnvoll, wenn du regelmäßig Retouren oder beschädigte Ware hast. Es trennt nicht verkaufsfähige Ware vom aktiven Bestand und verhindert, dass fehlerhafte Artikel versehentlich versendet werden.

Was ist ein Konsignationslager?

Bei einem Konsignationslager liegt die Ware in deinem Lager, bleibt aber bis zur Entnahme oder zum Verkauf Eigentum des Lieferanten. Du bezahlst erst bei Entnahme. Das reduziert deine Kapitalbindung, erfordert aber klare vertragliche Regelungen.

Kann ich mehrere Lagerarten gleichzeitig nutzen?

Ja, das ist üblich. Viele Händler kombinieren ein Zentral- oder Beschaffungslager mit einem Kommissionierlager und einem Sperrlager. Wichtig ist eine zentrale Bestandsführung, damit du den Überblick behältst.

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

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