Durchschnittliche Lagerdauer: So rechnest du sie aus
Die durchschnittliche Lagerdauer zeigt, wie lange Ware im Schnitt im Lager liegt. Hier findest du die Formel, ein durchgerechnetes Beispiel, typische Rechenfehler und Tipps zur Interpretation.

Inhaltsverzeichnis
- Durchschnittliche Lagerdauer: Formel und Bedeutung
- Durchgerechnetes Beispiel: Lagerdauer in der Praxis
- Zweite Variante: Lagerdauer mit 365 statt 360 Tagen
- Abgrenzung zur Reichweite
- Wie interpretierst du das Ergebnis?
- Typische Rechenfehler
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Rechtlicher Hinweis zur Bestandsbewertung
- Häufige Fragen zur durchschnittlichen Lagerdauer
Die durchschnittliche Lagerdauer gibt an, wie viele Tage ein Artikel im Mittel im Lager liegt, bevor er verkauft oder verbraucht wird. Sie wird meist als 360 geteilt durch die Lagerumschlagshäufigkeit berechnet.
- Die durchschnittliche Lagerdauer zeigt, wie viele Tage Ware im Schnitt im Lager liegt, bevor sie verkauft oder verbraucht wird.
- Formel: 360 (oder 365) ÷ Lagerumschlagshäufigkeit – lege dich intern auf eine Tagesbasis fest.
- Erst im Vergleich über Zeit, Artikelgruppen und mit der Lieferfähigkeit wird die Kennzahl aussagekräftig.
Durchschnittliche Lagerdauer = 360 ÷ Lagerumschlagshäufigkeit. Alternativ: (durchschnittlicher Bestand ÷ Verbrauch) × 360.
Die durchschnittliche Lagerdauer verrät dir, wie lange dein Kapital im Schnitt in Ware gebunden ist. Du brauchst sie, um zu sehen, ob dein Lager zu voll, zu leer oder genau richtig läuft – und um mit Lieferanten, Einkauf und Finanzen auf Augenhöhe zu sprechen.
Ein Beispiel: Du hast 200 Stück eines Artikels im Lager, verkaufst aber nur 40 pro Monat. Dann liegt jede Einheit im Schnitt fünf Monate herum. Fünf Monate, in denen dein Geld nicht arbeitet, Regalplatz blockiert und die Gefahr steigt, dass du auf Ladenhütern sitzenbleibst. Genau das macht die Lagerdauer sichtbar.
Durchschnittliche Lagerdauer: Formel und Bedeutung
Die Kennzahl beantwortet eine simple Frage: Wie viele Tage dauert es im Schnitt, bis ein Artikel das Lager verlässt? Sie ergibt sich aus der Lagerumschlagshäufigkeit, umgerechnet in Tage. Statt „3,5-mal im Jahr umgeschlagen“ sagst du „rund 103 Tage Lagerdauer“ – das versteht jeder im Team sofort.
Du brauchst die Zahl für mehrere Dinge:
- Kapitalbindung: Je länger Ware liegt, desto mehr Geld steckt im Lager.
- Lagerkosten: Miete, Personal, Versicherung – alles läuft weiter, egal ob sich der Artikel bewegt. Mehr dazu im Lexikon zu Lagerkosten.
- Einkauf: Zu lange Lagerdauer heißt oft, dass du zu viel oder zu früh bestellt hast.
- Sortiment: Artikel mit extrem hoher Lagerdauer sind Kandidaten für Auslistung.
Wichtig: Die Lagerdauer ist eine Durchschnittsgröße. Sie sagt nichts über einzelne Chargen oder Artikel – dafür brauchst du eine ABC-Analyse oder eine artikelgenaue Auswertung.
Durchgerechnetes Beispiel: Lagerdauer in der Praxis
Nehmen wir einen Onlinehändler mit einem durchschnittlichen Lagerbestand von 60.000 € (zu Einstandspreisen) und einem jährlichen Verbrauch von 240.000 €. Wir rechnen Schritt für Schritt:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Durchschnittsbestand ermitteln | (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2, z. B. (55.000 € + 65.000 €) ÷ 2 | 60.000 € |
| 2. Verbrauch festlegen | Wareneinsatz des Jahres | 240.000 € |
| 3. Lagerumschlagshäufigkeit | 240.000 € ÷ 60.000 € | 4,0 |
| 4. Durchschnittliche Lagerdauer | 360 ÷ 4,0 | 90 Tage |
| 5. Kontrollrechnung | (60.000 € ÷ 240.000 €) × 360 | 90 Tage |
Beide Wege führen zum selben Ergebnis: Die Ware liegt im Schnitt 90 Tage im Lager. Ob das viel oder wenig ist, hängt von Sortiment, Marge und Lieferzeiten ab: Bei schnell drehender Ware sind 90 Tage eher lang, bei Möbeln oder Saisonware kann das völlig normal sein.
Zweite Variante: Lagerdauer mit 365 statt 360 Tagen
Manche Teams rechnen mit 365 statt 360 Tagen. Das ist kein Fehler, sondern eine Konvention. Der Unterschied ist klein, aber du solltest ihn kennen, damit du Zahlen aus verschiedenen Berichten nicht wild vergleichst.
Nehmen wir dieselben Werte, aber 365 Tage:
- 365 ÷ 4,0 = 91,25 Tage
- Mit 360 Tagen: 90 Tage
Der Unterschied liegt bei gut einem Tag. Kritisch wird es erst, wenn du in einem Report 360 Tage und im nächsten 365 Tage nutzt – dann sehen 90 Tage plötzlich wie 91 Tage aus, und niemand weiß, warum. Lege dich intern auf eine Basis fest und schreibe sie in deine Kennzahlen-Definition.
Abgrenzung zur Reichweite
Lagerdauer und Reichweite werden oft verwechselt. Sie messen unterschiedliche Dinge:
| Kennzahl | Frage | Blickrichtung |
|---|---|---|
| Durchschnittliche Lagerdauer | Wie lange lag Ware im Schnitt, bis sie rausging? | Rückblick |
| Reichweite | Wie lange reicht der aktuelle Bestand noch? | Vorausschau |
Die Lagerdauer schaust du dir an, wenn du wissen willst, wie effizient dein Lager in der Vergangenheit war. Die Reichweite nutzt du, wenn du planst: Reicht der Bestand bis zur nächsten Lieferung? Beide Zahlen gehören in ein gutes Reporting, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Wie interpretierst du das Ergebnis?
Eine einzelne Zahl sagt wenig. Du brauchst Kontext. Frag dich:
- Wie entwickelt sich die Lagerdauer über die Zeit? Steigt sie seit drei Quartalen? Dann stimmt etwas nicht.
- Wie sieht es pro Artikelgruppe aus? Ein Schnitt von 90 Tagen kann bedeuten, dass alles gleichmäßig bei 90 liegt – oder dass 20 % der Artikel 300 Tage liegen und der Rest bei 30.
- Was kostet dich die Lagerdauer? Rechne die Kapitalbindung mit deinem internen Zinssatz und addiere Lagerkosten pro Tag. Dann siehst du, was eine Reduktion um 10 Tage bringt.
- Was ist branchenüblich? Ohne Vergleichswert aus deiner Branche ist die Zahl nur eine Zahl.
Ehrlicher Tipp: Eine sinkende Lagerdauer ist nicht automatisch gut. Wenn du zu knapp bestellst, sinkt die Lagerdauer – aber du riskierst Out-of-Stock und verlierst Umsatz. Die Kunst ist, den Punkt zu finden, an dem Kapitalbindung und Lieferfähigkeit zusammenpassen.
Typische Rechenfehler
Diese Stolpersteine passieren in der Praxis häufig:
- Falscher Verbrauch: Manche nehmen den Umsatz statt des Wareneinsatzes. Das verzerrt die Zahl, weil die Marge mit reinspielt.
- Bestand zu Stichtag statt Durchschnitt: Ein einzelner Stichtagswert kann durch eine große Lieferung verzerrt sein. Nimm den Durchschnitt aus mehreren Stichtagen.
- Einheiten mischen: Bestand in Stück, Verbrauch in Euro – das geht schief. Bleib bei einer Einheit.
- 360 vs. 365: Wie oben beschrieben – lege dich fest und bleib dabei.
- Alle Artikel über einen Kamm: Ein Gesamtwert verdeckt, dass einzelne Artikel ewig liegen. Schau dir immer auch die Verteilung an.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
In beeShip siehst du in der Artikelübersicht den aktuellen Lagerbestand pro Lager und Lagerort. Über Tags wie „Aktion“ oder „Fragil“ kannst du Artikel gruppieren und diese Tags in Versandregeln und Auswertungen nutzen. Das Mapping zu deinen Shop- und Marktplatz-Artikeln sorgt dafür, dass Bestände und Bestelldaten sauber zusammenlaufen – die Grundlage für verlässliche Kennzahlen.
Für die Lagerdauer brauchst du zusätzlich deinen Wareneinsatz. Den ziehst du aus deiner Buchhaltung und verknüpfst ihn mit den Bestandsdaten aus beeShip. Wie du daraus den Umschlag ermittelst, steht im Beitrag zur Lagerumschlagshäufigkeit.
Rechtlicher Hinweis zur Bestandsbewertung
Rechnest du die Lagerdauer mit Euro-Werten, hängt das Ergebnis auch davon ab, wie dein Bestand bewertet ist. Dafür gibt es handels- und steuerrechtliche Vorgaben: Handelsrechtlich sind die Verbrauchsfolgeverfahren FIFO und LIFO für gleichartige Vermögensgegenstände zulässig (§ 256 HGB). Steuerlich ist als Verbrauchsfolgeverfahren nur LIFO erlaubt (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG). Das ist etwas anderes als physische Lagerprinzipien wie FIFO oder FEFO im Regal – die regeln die Entnahmereihenfolge, nicht die Bewertung. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen zur durchschnittlichen Lagerdauer
Was sagt die durchschnittliche Lagerdauer aus?
Sie zeigt, wie viele Tage ein Artikel im Mittel im Lager liegt, bevor er verkauft oder verbraucht wird. Sie ergibt sich aus 360 (oder 365) geteilt durch die Lagerumschlagshäufigkeit.
Wie berechne ich die durchschnittliche Lagerdauer?
Am einfachsten: 360 ÷ Lagerumschlagshäufigkeit. Alternativ: (durchschnittlicher Bestand ÷ Verbrauch) × 360. Beide Wege liefern dasselbe Ergebnis.
Was ist der Unterschied zwischen Lagerdauer und Reichweite?
Die Lagerdauer blickt zurück und sagt, wie lange Ware im Schnitt lag. Die Reichweite blickt nach vorn und sagt, wie lange der aktuelle Bestand noch reicht.
Ist eine niedrige Lagerdauer immer gut?
Nein. Eine sehr niedrige Lagerdauer kann bedeuten, dass du zu knapp bestellst und Out-of-Stock-Risiken eingehst. Entscheidend ist das Verhältnis von Kapitalbindung und Lieferfähigkeit.
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