Wiederbeschaffungszeit: Formel, Beispiel & Meldebestand
Wiederbeschaffungszeit verstehen, berechnen und richtig nutzen: Formel, durchgerechnetes Beispiel, Einfluss auf den Meldebestand und typische Rechenfehler.

Inhaltsverzeichnis
- Was gehört zur Wiederbeschaffungszeit?
- Durchgerechnetes Beispiel: So berechnest du die Wiederbeschaffungszeit
- Zweite Variante: Wenn du bei einem regionalen Lieferanten bestellst
- Wie hängt die Wiederbeschaffungszeit mit dem Meldebestand zusammen?
- Wie interpretierst du das Ergebnis?
- Typische Rechenfehler
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Häufige Fragen zur Wiederbeschaffungszeit
Die Wiederbeschaffungszeit ist die Zeitspanne vom Auslösen einer Bestellung bis zur Verfügbarkeit der Ware im Lager. Sie umfasst Bestellabwicklung, Lieferzeit und Wareneingang inklusive Einlagerung.
- Die Wiederbeschaffungszeit reicht vom Auslösen der Bestellung bis die Ware eingelagert und im System verfügbar ist – nicht nur die Lieferzeit des Lieferanten.
- Sie besteht aus Bestellabwicklung, Lieferzeit und Wareneingang bis Verfügbarkeit.
- Sie bestimmt den Meldebestand: Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand.
Wiederbeschaffungszeit = Bestellabwicklung + Lieferzeit + Wareneingang bis Verfügbarkeit
Du brauchst sie, um zu wissen, ab wann du nachbestellen musst, damit dir der Bestand nicht ausgeht, bevor die neue Ware im Regal liegt.
Ein Beispiel: Dein Bestseller läuft gut. Du bestellst nach, der Lieferant bestätigt – und zwei Wochen später steht die Ware endlich im Regal. In der Zwischenzeit sind Bestellungen reingekommen, die du nicht mehr bedienen konntest. Genau hier kommt die Wiederbeschaffungszeit ins Spiel.
Sie ist keine Zahl, die du einmal ausrechnest und dann für immer stehen lässt. Lieferzeiten schwanken, Wareneingänge stocken, manchmal fehlt eine Charge. Wer die Wiederbeschaffungszeit kennt und regelmäßig prüft, kann den Meldebestand sauber setzen – und muss nicht raten.
Was gehört zur Wiederbeschaffungszeit?
Die Wiederbeschaffungszeit ist die Summe aus drei Abschnitten. Jeder Abschnitt hat seine eigenen Stolpersteine.
- Bestellabwicklung: Von der Entscheidung „wir brauchen Nachschub“ bis zur tatsächlichen Bestellung beim Lieferanten. Dazu gehören interne Freigaben, Angebotsvergleiche, die Bestellung im System und die Auftragsbestätigung.
- Lieferzeit: Vom Bestelleingang beim Lieferanten bis zur Ankunft der Ware an deiner Rampe. Hier spielen Produktionszeiten, Versandweg, Zoll und Speditionsplanung eine Rolle.
- Wareneingang bis Verfügbarkeit: Vom Eintreffen der Ware bis sie im Lagerregal liegt und im System als verfügbar gilt. Dazu gehören Prüfen, Vereinnahmen, Einlagern – und bei manchen Produkten auch Qualitätskontrolle oder Chargenerfassung.
Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Die Ware ist physisch da, aber noch nicht eingelagert – und damit für den Verkauf nicht nutzbar. Genau hier verlieren viele Händler Tage.
Durchgerechnetes Beispiel: So berechnest du die Wiederbeschaffungszeit
Nehmen wir als Beispiel an, du verkaufst ein Produkt, das du bei einem Lieferanten in Asien bestellst.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bestellabwicklung | Freigabe + Bestellung + Auftragsbestätigung | 2 Tage |
| Lieferzeit | Produktion + Versand + Zoll | 25 Tage |
| Wareneingang bis Verfügbarkeit | Prüfen + Einlagern + Buchung | 3 Tage |
| Wiederbeschaffungszeit | 2 + 25 + 3 | 30 Tage |
Das heißt: Wenn du heute bestellst, liegt die Ware erst in 30 Tagen im Regal. In dieser Zeit musst du deinen laufenden Bedarf aus dem vorhandenen Bestand decken.
Zweite Variante: Wenn du bei einem regionalen Lieferanten bestellst
Jetzt das gleiche Produkt, aber von einem Lieferanten in Deutschland, der ab Lager liefert.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bestellabwicklung | Bestellung per E-Mail, Bestätigung am selben Tag | 1 Tag |
| Lieferzeit | Versand per Paketdienst inkl. Kommissionierung beim Lieferanten | 2 Tage |
| Wareneingang bis Verfügbarkeit | Annahme + Einlagerung | 1 Tag |
| Wiederbeschaffungszeit | 1 + 2 + 1 | 4 Tage |
Der Unterschied ist groß. Bei 30 Tagen Wiederbeschaffungszeit musst du viel früher nachbestellen und mehr Kapital im Lager binden. Bei 4 Tagen kannst du deutlich schlanker planen – dafür sind die Einkaufspreise mitunter höher. Das ist eine klassische Abwägung.
Miss die Wiederbeschaffungszeit nicht einmal, sondern regelmäßig. Lieferzeiten ändern sich – durch Streiks, Hafenstaus, Rohstoffengpässe oder wenn dein Lieferant plötzlich ausverkauft ist. Ein Blick in die Wareneingangsprotokolle zeigt dir, wie lange es tatsächlich gedauert hat.
Wie hängt die Wiederbeschaffungszeit mit dem Meldebestand zusammen?
Der Meldebestand ist die Menge, bei der du eine neue Bestellung auslösen musst, damit die Ware rechtzeitig ankommt. Die einfache Formel lautet:
Meldebestand = durchschnittlicher Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit
Ein Beispiel: Du verkaufst im Schnitt 10 Stück pro Tag. Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 30 Tage. Dann liegt der Meldebestand bei 300 Stück. Sobald dein Bestand auf 300 fällt, bestellst du nach.
In der Praxis kommt der Sicherheitsbestand dazu. Er deckt Schwankungen ab – mal läuft der Absatz besser, mal dauert die Lieferung länger. Der endgültige Meldebestand ist dann:
Meldebestand = (Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit) + Sicherheitsbestand
Mehr dazu findest du im Beitrag zum Meldebestand.
Wie interpretierst du das Ergebnis?
Eine lange Wiederbeschaffungszeit ist nicht automatisch schlecht. Sie bedeutet nur, dass du früher planen und mehr Puffer einbauen musst. Wichtig ist, dass du weißt, wo die Zeit tatsächlich hingeht.
- Bestellabwicklung zu lang? Dann hakt es intern – fehlende Freigaben, unklare Zuständigkeiten, manuelle Prozesse.
- Lieferzeit zu lang? Das ist oft extern, aber du kannst gegensteuern: zweiter Lieferant, Express-Option, größere Bestellmengen.
- Wareneingang zu lang? Das liegt meist an dir. Wenn Ware tagelang ungeprüft im Flur steht, verlierst du Zeit und Kontrolle.
Schau dir die drei Abschnitte getrennt an. Dann siehst du, wo du ansetzen musst.
Typische Rechenfehler
Diese Fehler passieren in der Praxis häufig:
- Nur die Lieferzeit rechnen. Die Bestellabwicklung und der Wareneingang gehören dazu. Sonst unterschätzt du die Wiederbeschaffungszeit systematisch.
- Bestellte Ware als verfügbar zählen. Ware, die noch unterwegs ist, kannst du nicht verkaufen. Sie zählt erst, wenn sie eingelagert und gebucht ist.
- Einmalige Werte verwenden. Lieferzeiten schwanken. Rechne mit Durchschnittswerten und prüfe sie regelmäßig.
- Sicherheitsbestand vergessen. Ohne Puffer reicht schon eine kleine Verzögerung, um in den Rückstand zu rutschen.
- Feiertage und Betriebsferien ignorieren. Wenn dein Lieferant drei Wochen Betriebsferien hat, verlängert sich die Wiederbeschaffungszeit entsprechend.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
In beeShip kannst du Lieferantenbestellungen anlegen und durch die Status Entwurf, Bestellt, Teilweise erhalten, Vollständig erhalten und Storniert verfolgen. Der Wareneingang wird protokolliert – mit Filtermöglichkeiten nach Datum, Lieferant oder Status. Zwei Fortschrittsbalken zeigen dir, wie viel angekommen und wie viel bereits eingelagert ist. So siehst du auf einen Blick, ob Ware noch auf die Einlagerung wartet. Weil du pro Lieferantenbestellung Bestelldatum und erwartetes Lieferdatum hinterlegst und beim Wareneingang das Eingangsdatum erfasst, kannst du die tatsächliche Dauer mit deiner Planung vergleichen. Über die Billbee-Anbindung werden Bestände bei Wareneingang automatisch aktualisiert.
Mehr zum Wareneingang findest du unter Wareneingang.
Häufige Fragen zur Wiederbeschaffungszeit
Was ist der Unterschied zwischen Wiederbeschaffungszeit und Lieferzeit?
Die Lieferzeit ist nur ein Teil der Wiederbeschaffungszeit. Zur Wiederbeschaffungszeit gehören zusätzlich die Bestellabwicklung und der Wareneingang bis die Ware verfügbar ist.
Wie oft sollte ich die Wiederbeschaffungszeit überprüfen?
Mindestens quartalsweise, besser monatlich. Lieferzeiten ändern sich durch externe Faktoren. Ein Blick in die Wareneingangsprotokolle zeigt dir die tatsächlichen Zeiten.
Was passiert, wenn ich die Wiederbeschaffungszeit zu niedrig ansetze?
Dann bestellst du zu spät. Der Bestand fällt unter den Meldebestand, du kannst Bestellungen nicht mehr bedienen und verlierst Umsatz. Im schlimmsten Fall leiden Bewertungen und Sichtbarkeit, etwa auf Marktplätzen.
Gilt die Wiederbeschaffungszeit auch für Handelsware ohne Produktion?
Ja. Auch bei Handelsware dauert es vom Auslösen der Bestellung bis zur Verfügbarkeit im Lager. Die Bestandteile sind gleich, nur die Lieferzeit ist oft kürzer.
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