Kommissionierleistung: Picks pro Stunde richtig berechnen
Kommissionierleistung messen: Formel für Picks pro Stunde und Positionen pro Stunde, durchgerechnetes Beispiel, Einflussfaktoren und typische Rechenfehler im Lageralltag.

Inhaltsverzeichnis
- Positionen pro Stunde oder Picks pro Stunde – was ist der Unterschied?
- Durchgerechnetes Beispiel: 1.400 Positionen in 7 Stunden
- Zweite Variante: Sammelkommissionierung mit mehreren Bestellungen
- Was die Kommissionierleistung wirklich beeinflusst
- Wie interpretierst du das Ergebnis?
- Typische Rechenfehler – und wie du sie vermeidest
- So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
- Häufige Fragen zur Kommissionierleistung
Die Kommissionierleistung ist eine Lagerkennzahl und gibt an, wie viele Positionen oder Picks ein Kommissionierer pro Stunde zusammenstellt. Sie macht die Produktivität im Lager vergleichbar und zeigt Engpässe auf.
Kommissionierleistung = kommissionierte Positionen ÷ eingesetzte Zeit (in Stunden)
Alternativ in Picks: Picks pro Stunde = Anzahl Picks ÷ Zeit in Stunden. Du brauchst sie, um zu sehen, wie viel Ware dein Team pro Stunde wirklich zusammenstellt – als Basis für Personalplanung, Prozessvergleich und gezielte Verbesserungen.
„Wir haben gestern 1.400 Positionen gepickt, aber keiner weiß, ob das gut oder schlecht war.“ Kommt dir das bekannt vor? Ohne eine sauber berechnete Kommissionierleistung bleibt jede Prozessdiskussion ein Bauchgefühl. Dabei ist die Rechnung selbst simpel – die Kunst liegt in der richtigen Abgrenzung.
Die Kommissionierleistung ist eine Kennzahl aus dem Lagercontrolling. Sie beschreibt, wie viele Positionen oder Picks ein Kommissionierer in einer bestimmten Zeit schafft. Wichtig: Sie ist kein Selbstzweck. Sie hilft dir, Engpässe zu finden, Schichten zu planen und zu prüfen, ob eine neue Pickstrategie tatsächlich etwas bringt. Wer sie falsch rechnet, optimiert am Ende das Falsche.
Positionen pro Stunde oder Picks pro Stunde – was ist der Unterschied?
Bevor du rechnest, kläre die Zähleinheit. Sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
- Position: eine Zeile auf der Pickliste – also ein Artikel in einer bestimmten Menge für eine Bestellung. Beispiel: 3× T-Shirt Größe M = 1 Position.
- Pick: ein einzelner Greifvorgang am Lagerplatz. 3× T-Shirt aus demselben Fach = 1 Position, aber 3 Picks (wenn du jedes Stück einzeln nimmst).
- Bestellung: die übergeordnete Einheit. Mehrere Positionen können zu einer Bestellung gehören.
Für die Kommissionierleistung ist die Position die übliche Einheit, weil sie unabhängig von der Stückzahl vergleichbar bleibt. Picks pro Stunde nutzt du, wenn du die reine Greifgeschwindigkeit bewerten willst – etwa bei der Frage, ob sich ein Fach mit vielen Kleinteilen lohnt.
Durchgerechnetes Beispiel: 1.400 Positionen in 7 Stunden
Nehmen wir ein Beispiel: ein kleines Lager mit zwei Kommissionierern in einer Schicht. Beide arbeiten 7 Stunden netto (nach Pausen und Rüstzeit).
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Positionen gesamt | gezählt aus dem WMS-Bericht | 1.400 Positionen |
| Eingesetzte Zeit | 2 Personen × 7 h | 14 Personen-Stunden |
| Kommissionierleistung | 1.400 ÷ 14 | 100 Positionen pro Personenstunde |
| Picks (Sonderfall) | 1.400 Positionen, Ø 1,5 Stück je Position | 2.100 Picks |
| Picks pro Stunde | 2.100 ÷ 14 | 150 Picks pro Personenstunde |
Das ist der klassische Fall. 100 Positionen pro Stunde klingt erst mal solide – aber erst der Vergleich mit einer anderen Schicht oder Woche zeigt, ob da Luft nach oben ist.
Zweite Variante: Sammelkommissionierung mit mehreren Bestellungen
Jetzt stell dir vor, dein Team stellt auf Sammelkommissionierung um. Mehrere Bestellungen werden in einem Durchgang gesammelt und danach sortiert. Die Wegezeit sinkt, weil der Kommissionierer nicht für jede Bestellung neu durchs Lager läuft.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Positionen gesamt | gleiche Menge wie vorher | 1.400 Positionen |
| Sammelzeit | Annahme: 2 Personen × 6 h (weniger Laufwege) | 12 Personen-Stunden |
| Sortierzeit | Annahme: 1 h gesamt | 1 Personen-Stunde |
| Kommissionierleistung ohne Sortieren | 1.400 ÷ 12 | rund 117 Positionen pro Personenstunde |
| Kommissionierleistung inkl. Sortieren | 1.400 ÷ 13 | rund 108 Positionen pro Personenstunde |
Wichtig: Die Sortierzeit darfst du nicht unterschlagen. Rechne sie entweder in die eingesetzte Zeit ein oder führe sie als eigene Kennzahl. Sonst sieht Sammelkommissionierung besser aus, als sie ist – im Beispiel 117 statt ehrlicher 108 Positionen pro Stunde.
Was die Kommissionierleistung wirklich beeinflusst
Die Zahl allein sagt wenig. Erst wenn du weißt, welche Faktoren sie treiben, kannst du gezielt ansetzen.
- Wegezeit: Oft der größte Hebel. Weite Wege, ungünstige Lagerplatzvergabe oder fehlende ABC-Sortierung drücken die Leistung.
- Pickstrategie: Rollende Kommissionierung, Sammelkommissionierung, zweistufige Verfahren – jede Strategie hat andere Stärken. Einen Überblick findest du bei den Pickstrategien in beeShip.
- Scan-Prüfung: Jeder zusätzliche Scan kostet Sekunden. Das ist gewollt, weil es Fehler reduziert. Aber es senkt die reine Positionszahl pro Stunde – rechne es nicht weg.
- Artikelstruktur: Viele Kleinteile aus einem Fach gehen schneller als schwere Kartons aus verschiedenen Regalen.
- Systembrüche: Papierlisten, Nachfragen, fehlende Ware am Platz – all das frisst Zeit und taucht in keiner Pickliste auf.
Vergleiche nie zwei Lager oder zwei Teams mit einer einzigen Zahl. Vergleiche dieselbe Kennzahl über Zeit im selben Lager. Nur so siehst du, ob eine Veränderung wirklich wirkt.
Wie interpretierst du das Ergebnis?
Eine Kommissionierleistung von 100 Positionen pro Stunde ist weder gut noch schlecht – sie ist erst mal nur eine Zahl. Sinnvoll wird sie im Vergleich:
- Über Zeit: Wie hat sich die Zahl in den letzten Wochen entwickelt?
- Zwischen Schichten: Gibt es systematische Unterschiede? Das kann an Personen, aber auch an Bestellprofilen liegen.
- Vor und nach einer Änderung: Neue Lagerplatzvergabe, neue Pickstrategie, neues Scankonzept – hat es gewirkt?
Und ganz ehrlich: Eine hohe Pickzahl, die viele Fehler produziert, ist keine gute Leistung. Qualität und Geschwindigkeit gehören zusammen. Miss deshalb auch Fehlerquote und Nacharbeit – sonst optimierst du in die falsche Richtung.
Typische Rechenfehler – und wie du sie vermeidest
In der Praxis tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Keiner davon ist böse gemeint, aber jeder verzerrt das Ergebnis.
- Bruttozeit statt Nettozeit: Wenn du Pausen, Rüstzeiten und Systemausfälle nicht abziehst, rechnest du die Leistung künstlich schlecht.
- Sortierzeit vergessen: Bei Sammelkommissionierung gehört das Sortieren zur Arbeit dazu. Wer es ausklammert, schönt das Ergebnis.
- Positionen mit Picks verwechseln: 1 Position mit 5 Stück ist nicht 5 Positionen. Sonst springt die Zahl plötzlich nach oben, ohne dass jemand schneller geworden ist.
- Retouren und Nachkommissionierung mitzählen: Diese Vorgänge gehören nicht in die reine Pickleistung. Führe sie separat.
- Bestellungen als Einheit nutzen: Bestellungen schwanken stark in ihrer Größe. Zwei Lager mit gleicher Bestellzahl können völlig unterschiedliche Pickmengen haben.
- Nur eine Schicht betrachten: Ein einzelner Tag ist keine Basis. Nimm mindestens eine Woche, besser einen Monat.
So setzt du das mit einer Lagerverwaltung wie beeShip um
In beeShip legst du Picklisten-Vorlagen an und wählst dabei den Picking-Typ – etwa rollende Kommissionierung, Sammelkommissionierung, ausdruckbare Pickliste oder die zweistufige Kommissionierung (laut Handbuch derzeit in der Beta-Phase). Über Tags ordnest du Bestellungen automatisch der passenden Vorlage zu, und du legst fest, wie viele Bestellungen maximal auf einer Liste landen. So ist klar, welche Bestellungen mit welcher Strategie gepickt wurden – eine gute Basis, um Positionen und Zeiten je Strategie zu erfassen und die Kommissionierleistung vorher und nachher zu vergleichen. Details zur Kommissionierung selbst findest du in unserem Lexikon-Beitrag zur Kommissionierung.
Häufige Fragen zur Kommissionierleistung
Was ist der Unterschied zwischen Kommissionierleistung und Pickrate?
Im Kern dasselbe. Kommissionierleistung ist der Oberbegriff, Pickrate oder Picks pro Stunde sind konkrete Ausprägungen. Entscheidend ist, dass du immer dieselbe Einheit verwendest – also entweder Positionen oder Picks, nicht gemischt.
Welche Kommissionierleistung ist normal?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Sie hängt stark von Sortiment, Lagerlayout, Pickstrategie und Technikeinsatz ab. Vergleiche deshalb nur dein eigenes Lager über Zeit – nicht mit externen Werten, die du nicht kennst.
Zählen Scans die Kommissionierleistung runter?
Ja, jeder Scan kostet Zeit. Das ist aber kein Grund, auf Scans zu verzichten. Sie reduzieren Fehler, und Fehler kosten am Ende oft mehr Zeit als der Scan selbst. Rechne sie in die Zeit ein und bewerte Qualität und Geschwindigkeit zusammen.
Muss ich die Kommissionierleistung pro Person oder pro Team rechnen?
Beides ist sinnvoll. Pro Person siehst du Unterschiede und kannst gezielt schulen. Pro Team siehst du die Gesamtleistung deines Lagers und planst damit Schichten. Nutze beide Perspektiven.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Kennzahlen wie die Kommissionierleistung sind betriebswirtschaftliche Instrumente und keine rechtlichen Vorgaben.
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